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Sanierung von Staphylococcus-aureus-Genotyp-B-infizierten Milchviehherden

Die Mastitis ist die häufigste Erkrankung von Kühen und führt auch in der Schweiz zu sehr hohen Kosten in der Milchwirtschaft. Ein wesentlicher Teil davon ist auf den Erreger Staphylococcus aureus Genotyp B (GTB) zurückzuführen Dieser ist im Gegensatz zu allen übrigen Genotypen von Staphylococcus aureus ansteckend und führt deshalb zu Problemen in Herden insbesondere in Alpregionen. Daneben hat Staphylococcus aureus GTB auch die Eigenschaft, unter gewissen Bedingungen Enterotoxine zu produzieren, die beim Menschen Lebensmittelvergiftungen verursachen. Enterotoxin-haltiger Käse muss verbrannt werden, was in der Alpwirtschaft immer wieder zu sehr hohen Verlusten führt. Um Staphylococcus aureus GTB auf Herdenebene auszurotten, hat Agroscope einen hoch spezifischen und empfindlichen qPCR-Test zum Nachweis dieses Erregers in der Milch entwickelt und ein Verfahren erarbeitet, um infizierte Herden sehr effizient und sicher zu sanieren. Das weltweit einzigartige Verfahren mit der genotypspezifischen qPCR-Analytik stellt einen Durchbruch in der Bekämpfung von Staphylococcus aureus als Erreger von ansteckenden Euterentzündungen dar. Tatsächlich gelang es in einer Studie, alle GTB-infizierten Herden innerhalb von neun Monaten vollständig und nachhaltig zu sanieren. Dabei konnten 93 % aller GTB-positiven Kühe erfolgreich geheilt und die Zellzahlen in der Milch deutlich gesenkt werden. In Kanton Tessin mit seiner ausgeprägten GTB-Problematik wurde das Verfahren mit sehr grossem Erfolg in die Praxis umgesetzt. Im Sanierungsprojet konnte die Infizierungsrate der Kühe von 10 % auf 0,3 % gesenkt werden. Die sanierten Herden blieben nach der Behandlung GTB-frei. Eine erfolgreiche GTB-Sanierung beruht auf der strikten Umsetzung der fünf Grundpfeiler: 1. Hoch empfindlicher und hoch GTB-spezifischer qPCR Test; 2. Strikte Anwendung der obligatorischen Hofmassnahmen wie Melken nach Gruppe und zweimal täglich vollständige Reinigung der Melkanlage; 3. Die Milch der einzelnen Kühe wird monatlich mit dem qPCR Test untersucht und die Melkgruppen angepasst; 4. Auswahl des Antibiotikums für die Therapie der GTB-positiven Kühe auf Basis von Vollgenomanalysen; 5. Therapie und tierärztliche Einflussnahme.

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