Beitrag von FiBL

Agrobiodiversität hat einen Markt

Agrobiodiversität bezeichnet die Vielfalt von Pflanzensorten und -arten, die für die menschliche Ernährung genutzt werden. Eine Untersuchung in vier europäischen Ländern zeigt, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten für diese Vielfalt interessieren.

Die genetische Vielfalt der Nutzpflanzensorten und -arten ist in staatlichen Genbanken archiviert und immer noch Ausgangspunkt für die Züchtung von neuen Sorten. Ergänzend zu Genbanken machen zivilgesellschaftliche Netzwerke die Diversität der Nutzpflanzen zugänglich für den Anbau in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Das ermöglicht die laufende Anpassung der Nutzpflanzen an unterschiedliche und sich verändernde Umweltbedingungen.

Konsumentenbefragung zur Agrobiodiversität

Welche Bedeutung aber hat die Agrobiodiversität für die Konsumentinnen und Konsumenten? Im EU-Projekt DIVERSIFOOD (www.diversifood.eu) konnte mit einer repräsentativen Befragung in vier europäischen Ländern (Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien) gezeigt werden, dass für die Konsumentinnen und Konsumenten zunächst Geschmack, Herkunft oder Preis wichtiger sind als das Interesse an «alten Sorten».

Werden die Befragten zum Thema genetische Vielfalt informiert, steigt das Interesse und in allen Ländern finden mehr als 70 % der Befragten Agrobiodiversität und die damit verbundene Vielfalt der Lebensmittel wichtig. Die Konsumentinnen und Konsumenten sind bereit, für diesen Mehrwert mehr zu bezahlen. Wichtig sind ihnen auch spezieller Geschmack, lokale Herkunft und mehr Autonomie für die Bäuerinnen und Bauern.

Viele wünschen ein Diversitätslabel

Die am Projekt beteiligten Netzwerke, für die Schweiz war das ProSpecieRara, interessierten sich besonders für das Potenzial einer Kennzeichnung für Agrobiodiversität. Für mehr als die Hälfte der Befragten in der Schweiz hätte ein Label für Agrobiodiversität hohe oder eher hohe Wichtigkeit. In Frankreich und Spanien liegt dieser Wert etwas höher und in Italien mit 38 % deutlich tiefer.

Der oft verwendete Begriff «alte Sorten» ist für die Konsumentinnen und Konsumenten nicht verständlich. Werden sie zum Thema genetische Vielfalt informiert, zeigen sich in der Schweiz über 76 % der Befragten interessiert. Viele wünschen ein Label, damit sie Agrobiodiversität erkennen können. (Foto: Bernadette Oehen)
Netzwerke, die genetisch diverse, standortangepasste Sorten erhalten und züchten, leisten einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der genetischen Vielfalt von Nutzpflanzen. (Foto: Bernadette Oehen)
Netzwerke, die genetisch diverse, standortangepasste Sorten erhalten und züchten, leisten einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der genetischen Vielfalt von Nutzpflanzen. (Foto: Bernadette Oehen)

Fazit

● Wird Agrobiodiversität mit dem Begriff «alte Sorten» erklärt, verstehen Konsumentinnen und Konsumenten das Anliegen nicht. Werden die Befragten zum Thema genetische Vielfalt und Agrobiodiversität informiert, zeigen sie aber Interesse.

● Netzwerke, die Zugang zur Vielfalt von Nutzpflanzensorten und -arten für den Anbau und die Züchtung ermöglichen, ergänzen die staatlichen Tätigkeiten zur Erhaltung der genetischen Vielfalt von Nutzpflanzen wesentlich. Sie verdienen deshalb politische Unterstützung.

● In der Vermarktung von genetisch vielfältigen Nutzpflanzen dürfte es sich aufdrängen, das Argument «mehr Vielfalt an Lebensmitteln» mit Hinweisen auf speziellen Geschmack, lokale Herkunft und bäuerliche Autonomie zu verbinden.

● Ein Diversitätslabel wäre insbesondere dann sinnvoll, wenn die Produkte über Supermärkte oder den Fachhandel vertrieben werden. Für die Konsumentinnen und Konsumenten wäre diese Information am Verkaufspunkt eine Orientierungshilfe.

Wissenschaftlicher Artikel

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