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Beitrag von Agroscope

Begrenzung der Proteinzufuhr in der Rindviehfütterung

Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion fördert die standortangepasste Fütterung von Wiederkäuern. Mit der AP22+ steht die Reduktion der Proteinzufuhr via Kraftfutter in Diskussion. Agroscope untersuchte Auswirkungen einer begrenzten Proteinzufuhr.

Im Januar 2014 führte der Bund das Programm Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) im Rahmen der Direktzahlungsverordnung ein. Das Ziel des GMF-Programms besteht in der Erhaltung einer standortangepassten Fütterung von Wiederkäuern auf Grasbasis und einem reduzierten Kraftfuttereinsatz. Eine Evaluation kurz nach der Einführung des GMF-Programms identifizierte Schwachstellen, welche zu beheben sind. Die nun in Diskussion stehende Lösung soll der Anteil an betriebseigenem Futterprotein von Wiesen und Weiden in Rindviehrationen fördern.

Weiterentwicklung der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion

Für die Weiterentwicklung des GMF-Programms erteilte das Bundesamt für Landwirtschaft der Forschungsgruppe Wiederkäuer von Agroscope 2018 den Auftrag, die Auswirkungen eines Proteinkonzentrat-Verzichts auf die Fütterung, die Futterproduktion, die Tiergesundheit, die Wirtschaftlichkeit, die Umwelt (wird zukünftig weiter vertieft) und die Kontrollierbarkeit des Programms zu untersuchen.
Agroscope untersuchte drei vom Bundesamt für Landwirtschaft vorgeschlagene Fütterungsvarianten für das GMF-Programm:

Ausschliesslicher Einsatz von betriebseigenem Wiesen- und Weidefutter.

  1. Ausschliesslicher Einsatz von betriebseigenem Wiesen- und Weidefutter.
  2. Futtermittel mit einem Proteingehalt von maximal 120g pro kg Trockensubstanz sind zusätzlich zu betriebseigenem Wiesen- und Weidefutter erlaubt.
  3. Futtermittel mit einem Proteingehalt von maximal 250g pro kg Trockensubstanz sind zusätzlich zu betriebseigenem Wiesen- und Weidefutter erlaubt.

Milchkühe standen im Zentrum der Studie. Die Umsetzung der Varianten wurden ebenfalls bei Aufzuchtrindern, Mastvieh und Mütterkühen geprüft.

Variante 1 und 2 schränken Produzentinnen und Produzenten sehr ein und enthalten diverse Herausforderungen wie:

  • zu jedem Zeitpunkt hochwertiges Wiesen- und Weidefutter anzubieten;
  • die Balance zwischen Energie und Protein zu gewährleisten;
  • Futtermangel sowie Fehlernährung zu vermeiden;
  • die extremen Fluktuationen der Produktion sowie des Einkommens in Kauf zu nehmen;
  • keine Möglichkeit zu haben, Raufutter zu erwerben;
  • keine bzw. nur beschränkt Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie einsetzen zu dürfen.

Die Variante 3 schränkt die Proteinzufuhr kaum ein – höchstens bei maisbetonten Rationen in der Grossviehmast – und wurde deshalb nicht weiterverfolgt.

Für die Umsetzung aller Varianten wären klare, nachvollziehbare Regeln notwendig. Dies beinhaltet genauere Angaben zu den erlaubten Futtermitteln wie beispielsweise Milch, Stroh oder Ganzpflanzensilagen. Ebenso besteht Klärungsbedarf zum Raufutterhandel, zur Nebenproduktverwertung, zur Alpung, zur flexiblen Teilnahme am GMF-Programm, zu Ausstiegsmöglichkeiten und zum Umgang mit betriebseigenen Produkten.

Fazit

  • Es ist notwendig, die neuen Varianten des Programms zur graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion sowie die erlaubten Futtermittel genauer zu beschreiben.
  • Mit dem ausschliesslichen Einsatz von betriebseigenem Wiesen- und Weidefutter wäre in der Regel die Energiezufuhr der Milchkühe die grössere Herausforderung als die Proteinzufuhr.
  • Mit dem ausschliesslichen Einsatz von proteinreduzierten Kraftfuttern (max. 12% Protein) wäre ein Proteinmangel in der Gesamtration wahrscheinlich. Ein ausgeprägter Proteinmangel kann die Futteraufnahme, die Leistung, die Gesundheit, die Fruchtbarkeit und das Tierwohl beeinträchtigen.
  • Bei den mit Kraftfutter (max. 12% Protein) ergänzten Rationen können die minimalen Wiesen- und Weidefutteranteile unter 65% liegen und 1500 kg Kraftfutter pro Kuh und Jahr sind möglich.
  • Die Mindereinnahmen bei einer reduzierten Proteinergänzung hängen von der Ausgangssituation ab und schwanken folglich sehr.
  • Schätzungsweise 9 bis 14% der Milchproduzenten könnten die Variante mit ausschliesslicher Fütterung von betriebseigenem Wiesen- und Weidefutter umsetzen.

Rückmeldung des Bundesamtes für Landwirtschaft

Das BLW nimmt die Ergebnisse der Studie zur Kenntnis und dankt Agroscope für die wertvollen Erkenntnisse zur zielgerichteten Weiterentwicklung des Programms einer graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion.
Die Massnahmen im Rahmen der AP22+ sollen den Erhalt einer standortangepassten Milch- und Fleischproduktion noch stärker fördern. Mit der Begrenzung der Rohproteinzufuhr soll die Proteinversorgung der Tiere vorwiegend
mit betriebseigenem Futter sichergestellt werden. Dies führt zu standortangepassten Tierbeständen und einer standortangepassten Fütterung. Daraus resultieren geschlossene Nährstoffkreisläufe und ein regional erhöhter Anfall von Hofdüngern wird verhindert. Im Grasland Schweiz soll zur Milch- und Fleischproduktion das Potential des pflanzlichen Proteins im Gras ausgeschöpft werden.
Zudem wird der Einsatz von Proteinfuttermitteln wie Sojaschrot, Maiskleber etc. in der Rindviehfütterung reduziert.
Dies bietet ein klares Differenzierungspotential gegenüber dem Ausland und kann einen Beitrag zur Mehrwertstrategie leisten. Weiter unterstützt diese Massnahme die Tierzuchtstrategie des Bundes. Die im Rahmen der AP22+ vorgesehene Weiterentwicklung des GMF-Programms wird die Erkenntnisse aus der Studie von Agroscope berücksichtigen.

Wissenschaftlicher Artikel

Begrenzung der Proteinzufuhr in der Rindviehfütterung

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