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Kaolin im Rebberg: wirksam gegen die Kirschessigfliege ohne Beeinträchtigung der Weine

Artikel in Vitis, Journal of Grapevine Research

Kaolin wurde im Rebbau zur Bekämpfung des berüchtigten Schädlings Drosophila suzukii getestet. Die Wirksamkeit dieses natürlichen Produkts ist vergleichbar mit herkömmlichen Insektiziden, ohne dabei die Weinqualität zu beeinträchtigen.

Die Kirschessigfliege Drosophila suzukii verursacht seit 2014 beträchtliche Schäden in Schweizer Rebbergen. Zur Bekämpfung dieses Schädlings können Insektizide in einem genau festgelegten Rahmen eingesetzt werden. Die Rebbauern sind mit dem Einsatz von Insektiziden kurz vor der Traubenlese aufgrund möglicher Rückstände und Imageproblemen bei den Konsumenten jedoch zurückhaltend. Aus diesem Grund wird der Schädling in erster Linie mittels vorbeugender Massnahmen bekämpft, namentlich einer guten Entlaubung und Durchlüftung der Traubenzone. Als Alternative zu Insektiziden kann Kaolin eingesetzt werden, ein inertes weisses Gesteinsmehl auf der Basis eines Aluminiumsilikats. Seine Partikel haften an der Oberfläche der Beeren und stellen eine physische Barriere dar, welche den Schaden reduziert. Die Auswirkungen mehrerer Anwendungen von Kaolin kurz vor der Lese auf die chemische Zusammensetzung und die sensorischen Eigenschaften der produzierten Weine sind jedoch unklar. In diesem Artikel sind unsere Ergebnisse zur Wirksamkeit von Kaolin gegen D. suzukii sowie zum Einfluss seiner Anwendung auf chemische und sensorische Eigenschaften der Weine zusammengefasst.

Anwendung von Kaolin bei verschiedenen Rebsorten

Im Herbst 2016 wurde Kaolin (Surround WP®) gegen D. suzukii in 23 Feldversuchen bei verschiedenen Rebsorten und in mehreren Rebbauregionen der Schweiz angewendet (Abb. 1). Vergleichbar mit herkömmlichen Insektiziden erreichte Kaolin einen Wirkungsgrad von 54%. Daneben wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen einer Kaolinanwendung bei einer Konzentration von 1 beziehungsweise 2% festgestellt.

Abb. 1. Mit Kaolin behandelte Trauben. (Foto: Christian Linder, Agroscope)

Unbeeinträchtigte Qualität von Mara-Rotweinen

Zusätzlich wurde ein Versuch zur Qualität von Weinen der roten Rebsorte Mara durchgeführt. Dieser Versuch ergab, dass nach drei Anwendungen von Kaolin in einer Konzentration von 1 oder 2% die Fermentation und die chemischen Eigenschaften der Weine im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle nicht beeinträchtigt werden. Auch wenn die Aluminium-Konzentration in den Weinen leicht erhöht war, so lag sie immer noch um einen Faktor 40 unter dem Toleranzwert. Daneben konnten Degustatoren Weine aus mit Kaolin behandelten Beeren organoleptisch nicht vom unbehandelten Kontrollwein unterscheiden.

Fazit

  • Die im biologischen Anbau zugelassene Anwendung von Kaolin stellt einen zufriedenstellenden Schutz der Trauben gegen die Kirschessigfliege sicher.
  • Bei diesem natürlichen Produkt besteht kein Problem mit Rückständen im Wein oder mit Resistenzen.
  • Die Wirkung auf Nützlinge im Rebberg ist vernachlässigbar.
  • Die chemischen und sensorischen Weineigenschaften waren nicht beeinträchtigt.
  • Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Anwendung von Kaolin gegen D. suzukii wirksam ist und weder die Umwelt, noch die Weinqualität oder die menschliche Gesundheit gefährdet.
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