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Agroscope

Die Schweizer Sojasorten sind gegen das Sojabohnenmosaikvirus gewappnet

Zu den Erfolgen des Soja-Züchtungsprogramms der Schweiz gehören Sorten, die gegenüber dem Sojabohnenmosaikvirus (SMV) widerstandsfähig sind – dem Erreger der schwersten viralen Sojabohnenkrankheit. Und dies obwohl sich die Züchtung eigentlich auf andere, prioritäre Kriterien konzentriert.

Die Sojaproduktion in Europa, die vorwiegend Saatgut Schweizer Herkunft einsetzt, ist auf dem Vormarsch: In den letzten Jahren nahm die Anbaufläche um jährlich 10 % auf 975 000 Hektaren im Jahr 2018 zu. In der Schweiz steigt insbesondere der Anteil biologisch produzierter Sojabohnen kontinuierlich.
Mit dem zunehmenden Anbau von Soja in Europa könnte sich auch das Sojabohnenmosaikvirus, das über das Saatgut weitergegeben werden kann, ausbreiten, denn das Virus wird beim Zertifizierungsprozess nicht berücksichtigt.

Das SMV kann sich rasch ausbreiten

Das Sojabohnenmosaikvirus (Soybean mosaic virus, SMV) ist der Erreger der am weitesten verbreiteten und schwersten viralen Krankheit der Sojabohne. Die Krankheit kann sehr hohe Ernteausfälle verursachen (bei einigen Sorten bis zu 80 %). Die Ausbreitung in allen Anbaugebieten wird durch den weltweiten Saatguthandel begünstigt. In der Anbauparzelle kann das Virus durch mehr als 30 Blattlausarten von Pflanze zu Pflanze übertragen werden. Weil diese Vektoren die Krankheitserreger so schnell aufnehmen und weitergeben, ist die Anwendung von Insektiziden weitgehend wirkungslos. Ausserdem verursacht die Primärinfektion beim Einstechen der Blattläuse kaum Symptome und bleibt häufig unbemerkt, was die Elimination infizierter Pflanzen im Feld erschwert.

Präventive Bekämpfungsmittel

Die Krankheit kann nur präventiv bekämpft werden: mit der Verwendung von gesundem Saatgut und dem Einsatz von toleranten oder resistenten Sorten. Welchen Beitrag leisten die von Agroscope gezüchteten Sorten? Das Soja-Züchtungsprogramm in der Schweiz konzentriert sich auf agronomische und qualitative Kriterien: Frühreife, Kältetoleranz, Anpassung an die hiesigen klimatischen Bedingungen und schliesslich Geschmack und Eignung für die Lebensmittelverarbeitung. Wie in den meisten umliegenden Ländern ist die sehr komplexe Züchtung der Widerstandsfähigkeit gegenüber dem SMV nicht prioritär.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung ist jedoch eine bessere Charakterisierung der Schweizer Sorten und der Verbreitung des SMV in der Schweiz wichtig. Die Forschenden bei Agroscope untersuchten die SMV-Prävalenz und die durch das Virus verursachten Schäden in den Jahren 2015 und 2016 bei verschiedenen am Standort Changins gezüchteten Sorten. Es handelte sich dabei um die Sorten Tourmaline, Gallec und Opaline, die 2015 den grössten Anteil am Schweizer Markt hatten.

Das SMV ist in Changins stark verbreitet

Die von Agroscope entwickelten Sorten sind einem konstanten viralen Druck ausgesetzt: Das Virus war in der Züchtungsumgebung über zahlreiche Jahre in hoher Dichte vorhanden (in Unkräutern und in der Kultur selbst). Durch diesen Selektionsdruck können Linien mit Symptomen, deren Samen das Virus akkumulieren, früh ausgeschieden werden. Nur Genotypen, die sich durch einen geringen Befall mit dem Virus auszeichnen – die toleranten Genotypen – werden von Generation zu Generation beibehalten. Mit dieser Strategie werden Sorten selektioniert, deren Erträge durch den in der Schweiz beobachteten viralen Druck nicht beeinträchtigt werden. Diese symptomlosen Sorten sind allerdings nicht vollständig resistent und können hohe SMV-Infektionsraten aufweisen.

Fazit

  • In den Soja-Anbaugebieten der Schweiz hängen die Infektionsraten im Feld massgeblich von Umweltfaktoren ab.
  • Die Gesundheit des Saatguts darf zwar nicht völlig vernachlässigt werden, scheint aber bei der Ausbreitung nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.
  • Die bei Agroscope gezüchteten Sorten sind gegenüber der Krankheit tolerant und gut an den viralen Druck der Region angepasst. Selbst eine hohe Infektionsrate beeinträchtigt den Ertrag dieser Sorten nicht, die keine für die Krankheit typischen Symptome aufweisen.
  • Durch diese Selektion unter viralem Druck kann der Fokus der Forschung auf agronomische, auf den lokalen Markt ausgerichtete Merkmale wie die Frühzeitigkeit oder die Körnerqualität gelegt werden, ohne die Widerstandsfähigkeit direkt einzubeziehen. Ausserdem kann auf eine Züchtung verzichtet werden, die sich auf genetische Marker stützt, was beim SMV besonders komplex ist.

Wissenschaftlicher Artikel

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