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BFH-HAFL, ZHAW

Aufbau einer Koordinationsstelle für die Schweizer Aquakultur

Bericht: Aufbau einer Koordinationsstelle für die Schweizer Aquakultur, 1-96, 2020

Die Schweizer Aquakultur befindet sich in starkem Wachstum. Um sich nachhaltig zu entwickeln, muss sie sich jedoch besser organisieren. Die vorliegende Studie analysiert die heutige Situation und schlägt ein Konzept für den Aufbau einer Koordinationsstelle vor.

Die Schweizer Aquakultur ist eine kleine Branche, die aber in den letzten Jahren stark gewachsen ist und die sich aufgrund neuer Produktionsformen diversifiziert. Diese Entwicklung schafft Unsicherheiten und birgt zahlreiche Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Um die Schweizer Aquakulturbranche fachkundig zu unterstützen, beabsichtigt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) den Aufbau einer Koordinationsstelle. Abklärungen haben gezeigt, dass zwar ein grosses Interesse an einer solchen Einrichtung besteht, dass die Vorstellungen über deren Aufgaben, Finanzierung und Organisation jedoch auseinandergehen.

Mit dem Ziel, die heutige Situation der Aquakulturbranche zu erfassen, wurden Untersuchungen durchgeführt. Die gesammelten Informationen wurden anschliessend mithilfe verschiedener Methoden analysiert, um die Herausforderungen zu ermitteln, die mit der Entwicklung der Branche einhergehen, und um die Aufgaben zu erkennen und zu priorisieren, die einer Koordinationsstelle zufallen würden. Die Studie schliesst mit einer Analyse verschiedener Szenarien für eine langfristige Entwicklung der Koordinationsstelle ab (Abb. 1), zusammen mit einem Entwurf der nächsten Schritte und einem Vorschlag zur Finanzierung einer schrittweisen Umsetzung.

Abb. 1: Merkmale der Koordinationsstelle in Abhängigkeit der Branchenunterstützung und der Entwicklung der Aquakulturbranche. (Quelle: Janssens, Thomas, BFH-HAFL)

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Mehrheit der befragten Stakeholder die Situation der Schweizer Aquakulturbranche unbefriedigend findet. Tatsächlich gibt es in der Branche viele Akteure mit eigenen Zielen, die zudem stark von Produktionsfaktoren abhängen. Darüber hinaus werden Synergien schwach genutzt, branchenrelevante Informationen sind nicht zugänglich, Produktion, Verarbeitung und Verkauf geschehen sehr isoliert und das Wissen über Planung und Betrieb der Anlagen ist lückenhaft. Zusammen mit den hohen Preisen in der Schweiz führen all diese Faktoren zu hohen Produktionskosten. Schliesslich führt der fehlende Zollschutz, verglichen mit Importware, zu bescheidenen Margen von inländischen Aquakulturprodukten.

Die Situation der Schweizer Aquakultur muss daher durch eine höhere Professionalisierung der gesamten Branche und eine Senkung der Produktionskosten verbessert werden. Eine weitere Möglichkeit, die Zahlungsbereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten zu erhöhen, wäre eine Imageförderung der Branche und eine bessere Vermarktung der Herkunftsbezeichnung «Swissness».

Fazit

  • Die Sichtbarkeit der Schweizer Aquakulturbranche soll erhöht und ein nachhaltiges Wachstum der Branche unterstützt werden, das nicht nur das Wohlergehen der Tiere und den Umweltschutz, sondern auch die Qualitätsstandards der Produkte berücksichtigt.
  • Die Aufgabe der Koordinationsstelle sollte darin bestehen, vorhandene Aktivitäten zu koordinieren und zu unterstützen und nicht, sie zu übernehmen oder zu ersetzen.
  • Die Koordinationsstelle kann über zwei Jahre hinweg und in Absprache mit bestehenden Organisationen aufgebaut werden, zunächst mit dem Ziel, ein möglichst breites Spektrum von Nutzerinnen und Nutzern zu erreichen.
  • Der erste Schritt ist das Erstellen eines Webportals, das den Akteuren der Branche einen unmittelbaren Mehrwert bietet.

Wissenschaftlicher Artikel

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