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Agroscope, Universität Zürich, Sichuan Academy of Giant Panda

Mehr Bodenleben im Bio-Gemüsebau

Agriculture, Ecosystems and Environment 318, 107488, 2021

Nematoden sind wichtige Indikatoren für das Bodenleben. Nun zeigt eine Agroscope-Studie: In Bio-Gemüsefeldern sind Anzahl und Artenvielfalt von Nematoden deutlich grösser als in konventionell bewirtschafteten Feldern.

Nematoden, auch Fadenwürmer oder Älchen genannt, sind wertvolle Zeiger für das Ökosystem im Boden, denn es gibt unzählige Arten, die in der Nahrungskette verschiedenste Rollen einnehmen: Manche sind Bakterien-, Pilz-, Pflanzen- oder Allesfresser, andere leben räuberisch. Einige Nematoden Arten gehören auch zu wichtigen Pflanzenparasiten und können die Erträge reduzieren. Zudem haben Nematoden grossen Einfluss auf den Abbau von organischem Material sowie auf den Nährstoffkreislauf.

Feldexperimente haben gezeigt, dass sich die biologische Bewirtschaftung, d.h. der Verzicht auf synthetische Pestizide und Düngemittel, positiv auf Nematoden auswirkt. Allerdings konzentrierten sich diese Versuche meist auf einzelne Standorte und Kulturen. Wie sich die biologische Bewirtschaftung generell auf Nematoden-Gemeinschaften auswirkt, ist kaum untersucht.

Nematoden im Grünland am häufigsten

In dieser Studie wurden je 20 biologisch und konventionell bewirtschaftete Gemüsefelder untersucht. Der Gemüsebau ist besonders interessant, da die Bewirtschaftung oft sehr intensiv ist. Als Vergleichsstandard wurden 20 extensiv genutzte Wiesen einbezogen. Insgesamt wurden über 30 000 Nematoden analysiert und 98 verschiedene Gattungen nachwiesen.

Die Studie zeigt: Im extensiv bewirtschafteten Grünland sind Nematoden am häufigsten, danach folgen zuerst die biologisch und dann die konventionell bewirtschafteten Gemüsefelder (Abb. 1). Das heisst, je intensiver die Bewirtschaftung, desto weniger Nematoden sind vorhanden.

Hinweise auf grösseres Nahrungsnetz in Bio-Böden

Auch zwischen biologisch und konventionell bewirtschafteten Feldern zeigten sich deutliche Unterschiede: Die Bio-Gemüsefelder enthielten deutlich mehr Nematoden als konventionell bewirtschaftete. Insbesondere die Pflanzen-, Bakterien- und Allesfresser waren häufiger. Zudem war die Stoffwechselleistung der gesamten Nematoden-Gemeinschaft in biologisch bewirtschafteten Feldern höher als in konventionell bewirtschafteten. Dies deutet darauf hin, dass Nahrungsnetz und Bodenfruchtbarkeit in biologisch bewirtschafteten Böden grösser sind.

Abb. 1 | Anzahl Nematoden im Grasland, in biologisch und konventionell bewirtschafteten Gemüsefeldern.

Kulturen nicht standardisiert

Zusammenfassend zeigen die Resultate, dass die Bewirtschaftungsweise, ob biologisch oder konventionell, die Gemeinschaft der Nematoden im Boden stark beeinflusst. Allerdings wurden die Felder nur ein einziges Mal beprobt, am Ende der Vegetationsperiode, und die Art der Kultur wurde nicht standardisiert, d.h. auf den biologisch und den konventionell bewirtschafteten Feldern wuchsen nicht genau dieselben Kulturen. Es sind deshalb weitere Untersuchungen nötig, um die Resultate zu bestätigen.

Zudem gibt es unter den Nematoden auch Pflanzenparasiten, welche die Gemüsekulturen befallen. Gegen diese Schädlinge sind Kontrollstrategien nötig.

Fazit

  • In je 20 biologisch und konventionell bewirtschafteten Gemüsefeldern wurden die Nematodengemeinschaften untersucht. Als Kontrolle dienten 20 extensive Grünflächen.
  • Im extensiv bewirtschafteten Grünland sind Nematoden am häufigsten, danach folgen zuerst die biologisch und dann die konventionell bewirtschafteten Gemüsefelder.
  • Die Bio-Gemüsefelder enthielten deutlich mehr und andere Nematoden als konventionell bewirtschaftete Felder.
  • Die Resultate deuten darauf hin, dass Nahrungsnetz und Bodenfruchtbarkeit in biologisch bewirtschafteten Gemüsefeldern grösser sind.
  • Vorsichtige Interpretation nötig, da auf den biologisch und konventionell bewirtschafteten Gemüsefeldern nicht dieselben Kulturen wuchsen.

Wissenschaftlicher Artikel

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