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Agroscope

Sortenprüfung im Kunstfutterbau: zwei interessante Neuerungen beim Bastard-Raigras

Das Bastard-Raigras ist ein ertragreiches, vielseitig nutzbares Futtergras, das in vielen Klee-Gras-Mischungen verwendet wird. Von insgesamt 23 geprüften Sorten überzeugten zwei Neuerungen vor allem hinsichtlich Ertrag und Resistenz gegen die Bakterienwelke.

Die von Agroscope durchgeführten Sortenversuche an mehr als 20 Arten von Gräsern und Leguminosen ermöglichen die laufende Aktualisierung der «Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen». Diese bildet die Grundlage für das Zusammenstellen qualitativ einwandfreier Samenmischungen und ist ein unerlässlicher Ratgeber für die schweizerische Saatgutbranche. Sie stellt sicher, dass der von den Züchtern während vieler Jahre erarbeitete Züchtungsfortschritt an die Praxis weitergegeben wird.

Sortenprüfung für Bastard-Raigras

Beim Bastard-Raigras handelt es sich um eine Kreuzung zwischen dem Italienischen und dem Englischen Raigras. Je nach Kreuzungsverfahren gleichen die Nachkommen mehr dem Italienischen oder dem Englischen Raigras. Man unterscheidet deshalb drei Typen von Bastard-Raigras: der italienische (IR), der englische (ER) und der Zwischentyp (IR/ER). Während sich der italienische und der Zwischentyp eher für die Mähnutzung eignen, kann der englische Typ auch geweidet werden.

Das Bastard-Raigras ist ein raschwüchsiges, qualitativ wertvolles Futtergras. Es findet vorwiegend in dreijährigen Klee-Gras-Mischungen Verwendung, in denen Raigräser gefragt sind, die eine bessere Ausdauer als das Italienische Raigras besitzen. Gute Sorten müssen aber nicht nur ausdauernd, sondern auch ertragreich, konkurrenzfähig und möglichst krankheitsresistent sein.

Sortenversuch mit Bastard-Raigras im zweiten Versuchsjahr in Goumoens-la-Ville. Gefragt sind konkurrenzfähige, ausdauernde Sorten mit einer hohen Resistenz gegen die Bakterienwelke. (Foto: Agroscope, Rainer Frick)

Feldversuche an sechs Standorten

In dreijährigen Feldversuchen von 2018 bis 2020 prüfte Agroscope 23 neue und bereits empfohlene Sorten auf ihre Anbaueignung. Beurteilt wurden der Ertrag, die Verdaulichkeit des Futters, die Bestandesgüte, die Jugendentwicklung, die Konkurrenzkraft, die Ausdauer, die Winterhärte und die Resistenz gegen die Bakterienwelke und Blattkrankheiten. Die Versuchsergebnisse wurden je nach Wuchstyp getrennt ausgewertet. 16 der total 23 geprüften Sorten gehören dem Zwischentyp (IR/ER) an.

Mit einer selbstfahrenden Erntemaschine werden die Erträge der Kleinparzellen vier- bis fünfmal im Jahr erhoben. (Foto: Agroscope, Rainer Frick)

Zwei neue Sorten vom Zwischentyp weit vorne klassiert

Zwei Neuzüchtungen, nämlich LH 1255 und LH 1325, beide vom Zwischentyp, haben die Hürde für die Aufnahme in die Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen geschafft. Unter den 16 geprüften Sorten des Zwischentyps rangierten sie sich auf dem zweiten (LH 1255) beziehungsweise auf dem vierten Rang (LH 1325). Die wesentliche Verbesserung zeigten sie in der Resistenz gegen die Bakterienwelke. In dieser Eigenschaft waren sie zusammen mit der empfohlenen Sorte Rusa die besten. Aber auch im Ertrag erzielten sie sehr gute Ergebnisse. Die Sorte LH1255 überzeugte im weiteren durch sehr gute Werte für die Ausdauer, die Bestandesgüte und die Toleranz gegen Wintereinflüsse. Nur mittelmässig sind dagegen die Ergebnisse der Verdaulichkeit. Da dieses Kriterium in der Auswertung nur einfach gewichtet ist, hat dies für das Gesamtergebnis und die Aufnahme als empfohlene Sorte keine Auswirkung. Beide Sorten befinden sich zurzeit noch in der amtlichen Registerprüfung und können erst nach deren Abschluss definitiv empfohlen werden. Die bisher empfohlenen Sorten Antilope und Dorcas schnitten in der Gesamtheit ungenügend ab und verlieren ihre Sortenempfehlung.

Fazit

  • Das Bastard-Raigras ist ein ertragreiches, vielseitig nutzbares und qualitativ wertvolles Gras für intensiv nutzbare, dreijährige Klee-Gras-Mischungen.
  • Agroscope hat von 2018 bis 2020 insgesamt 23 Sorten von Bastard-Raigras auf die agronomische Eignung geprüft.
  • Die beiden Neuzüchtungen LH 1255 und LH 1325 erzielten in mehreren wichtigen Eigenschaften sehr gute Ergebnisse, besonders aber in Bezug auf den Ertrag und die Resistenz gegen die Bakterienwelke.
  • Aufgrund der noch ausstehenden Registerprüfung können sie erst zu einem späteren Zeitpunkt in die Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen aufgenommen werden.
  • Beide Sorten leisten einen wichtigen Beitrag zur Anhebung der agronomischen Qualität des Sortenangebotes beim Bastard-Raigras und ermöglichen damit noch bessere Mischungen für den Kunstfutterbau.

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Sortenprüfung im Kunstfutterbau: zwei interessante Neuerungen beim Bastard-Raigras

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