Agroscope

Pestizide im Bienenwachs: Wie giftig sind sie für die Larven der Honigbiene?

Chemosphere, Article Number 132214

Pestizide reichern sich im Bienenwachs an und stellen für die Entwicklung der Bienenlarven ein Risiko dar. In einer In-vitro-Studie bewertete Agroscope die Toxizität von Pestiziden im Wachs.

Verluste in Honigbienenvölkern (Apis mellifera) werden mit vielen Ursachen in Verbindung gebracht. Futtermangel und -qualität, Parasiten und Brutkrankheiten, die Qualität der Königin sowie Pestizide können dazu beitragen. Insbesondere die Milbe Varroa destructor und die mit ihr verbundenen Viren stellen eine große Bedrohung für Honigbienen dar. Zur Bekämpfung setzen Imker Tierarzneimittel ein, die sich im Bienenstock anreichern können. Zudem können Bienen bei der Pollen- und Nektarsuche Pestizide aus der Landwirtschaft in die Bienenvölker eintragen. Lipophile Pestizide, zu denen Tierarzneimittel und Pflanzenschutzmittel gehören, reichern sich hauptsächlich im Bienenwachs an. Ein Beispiel ist Coumaphos, ein Pestizid, welches in einigen Ländern als Tierarzneimittel zur Varroa-Bekämpfung oder als Pflanzenschutzmittel zugelassen ist. 

Pestizide in rezykliertem Bienenwachs für Waben

Nach guter imkerlicher Praxis werden die Brutwaben regelmäßig ausgetauscht. Die Imker schmelzen die alten Waben ein. Dies dient der Herstellung neuer Mittelwände, welche den Bienen als Schablone für den Bau neuer Waben dienen. Dabei verbleiben Schadstoffe wie z.B. Coumaphos im Wachs und sind auch in den neu hergestellten Mittelwänden enthalten. Dies kann die Gesundheit der Honigbienen beeinträchtigen.

In-vitro-Studie bestätigt Toxizität von Pestiziden im Wachs

Viele Studien untersuchen Pestizide im Bienenwachs. Allerdings ist wenig bekannt über die Konzentrationen, die ein Risiko für die Entwicklung von Honigbienen darstellen. In einer In-vitro-Studie untersuchte Agroscope deshalb das Risiko von Pestiziden im Wachs für Honigbienenlarven. Coumaphos diente als Modellsubstanz, denn es ist ein Pestizid, welches sehr häufig im Bienenwachs gefunden wird.

In einer ersten Testserie untersuchten wir die Schlupfrate von Bienen, die als Larven kontaminiertem Bienenwachs ausgesetzt waren. Coumaphos-Konzentrationen im Bienenwachs bis 20 mg/kg zeigten keinen Effekt auf die Schlupfrate. Diese war vergleichbar zur Kontrolle. Bei höheren Konzentrationen von Coumaphos (30 bis 100 mg/kg) wurden jedoch tiefere Schlupfraten beobachtet. Coumaphos-Konzentrationen ab 30 mg/kg im Bienenwachs beinträchtigen folglich die Entwicklung der Honigbienenlarven. 

Pestizide wandern vom Wachs in den Futtersaft

In einem zweiten Schritt testeten wir, ob Coumaphos aus dem Bienenwachs in den Futtersaft der Larven übergehen kann, und welche Konzentrationen im Futtersaft für die Larven schädlich sind. Coumaphos migrierte vom Bienenwachs in die künstlich hergestellte Futterdiät ungefähr zu einem Fünftel der ursprünglichen Konzentration im Bienenwachs. Eine weitere Testserie zeigte, dass Coumaphos, welches der Futterdiät zugesetzt wurde, auf die Bienenlarven etwa fünfmal toxischer wirkte als eine Exposition durch Wachs. Die verminderte Schlupfrate bei Coumaphos-Konzentrationen im Wachs ab 30 mg/kg lassen sich daher durch die orale Exposition der Larven erklären.

Weniger Rückstände im Schweizer Bienenwachs

Jüngste Analysen zeigen, dass die Rückstandsmengen von Varroa-Behandlungsmitteln im Schweizer Bienenwachs im Vergleich zu früheren Jahren geringer sind. Heutzutage verwenden Schweizer Imker meist organische Säuren zur Varroa-Bekämpfung, welche sich nicht im Bienenwachs anreichern. Damit wird die Exposition der Honigbienenlarven gegenüber lipophilenVarroa-Behandlungsmitteln verringert.

Fazit

  • Die Studie dient als Modell zum Abschätzen des Risikos von Pestiziden im Bienenwachs für Honigbienen.
  • Coumaphos-Gehalte im Bienenwachs ab 30 mg/kg zeigen einen letalen Effekt für Honigbienenlarven
  • Ausserdem konnte aufgezeigt werden, dass Coumaphos aus dem Bienenwachs in den Futtersaft wandert und dadurch die Entwicklung der Larven beeinträchtigen kann.
  • Zum heutigen Zeitpunkt werden im Schweizer Bienenwachs Coumaphos- Rückstände bis maximal 4 mg/kg gemessen, was deutlich unter der Schadensgrenze von 30 mg/kg liegt.
  • Als Alternative zur Bekämpfung der Varroa-Milbe bieten sich organische Säuren an, die sich nicht im Bienenwachs anreichern.
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