Agroscope, USDA-ARS, Arid-Land Agricultural Research Center, USA

Geringe Auswirkungen von Bt-Mais auf Nichtzielorganismen

Bt-Mais ist durch Eiweisse des Bakteriums Bacillus thuringiensis vor Frass durch bestimmte Insekten geschützt. Eine neue, systematische Auswertung von weltweiten Felddaten bestätigt, dass Nichtzielorganismen in Bt-Mais weitgehend geschont werden.

Systematische Reviews, basierend auf statistischen Meta-Analysen, helfen Entscheidungsträgern, Unsicherheiten über mögliche Effekte von gentechnisch veränderten Pflanzen besser beurteilen zu können. Eine solche Studie hat Agroscope zusammen mit dem US-Department of Agriculture durchgeführt. Die Forschenden gingen der Frage nach, ob der Anbau von Bt-Mais das Vorkommen und die Funktion von Nichtzielorganismen im Vergleich zum Anbau von Nicht-Bt-Mais verändert. Es wurden die strengen Standards der Collaboration for Environmental Evidence (CEE) für Systematic Reviews erfüllt, um möglichst umfassende, neutrale, transparente, wiederholbare und robuste Analysen zu gewährleisten.

Keine Effekte auf die meisten Gruppen von wirbellosen Tieren

Die Meta-Analysen zeigten keine signifikanten Effekte von Bt-Mais auf die meisten der knapp vierzig untersuchten Gruppen von Wirbellosen. In Bt-Mais wurden weniger Parasitoide des Maiszünslers (Schlupfwespen und Raupenfliegen) gefunden als im konventionellen Mais. Dies war jedoch zu erwarten, da Bt-Mais vor allem angebaut wird, um Maiszünslerraupen in Schach zu halten. Manche Analysen zeigten – verglichen mit unbehandeltem konventionellem Mais – geringere Populationen von Glanzkäfern, Kurzflügelkäfern und Schwebfliegen, aber höhere Populationen von Marienkäfern, Blumenwanzen und Florfliegen in Bt-Mais. Hier spielten vermutlich indirekte Nahrungsnetz-Effekte oder andere ökologische Mechanismen eine Rolle und nicht eine Toxizität der Bt-Eiweisse.

Grössere Unterschiede wurden zwischen unbehandeltem Bt-Mais und konventionellem Mais beobachtet, der mit Insektiziden behandelt wurde. Vor allem die Populationen von Prädatoren waren nach der Anwendung von Breitbandinsektiziden der Klasse Pyrethroide in konventionellem Mais reduziert.

Die Arbeit bestätigt frühere Meta-Analysen von Feld- und Laborversuchen auf globaler Ebene: Bt-Mais ist eine selektive Technologie zur Schädlingsbekämpfung mit geringen Auswirkungen auf Nichtzielorganismen. Dies ist vor allem im Vergleich zu konventionellem Mais der Fall, wenn Breitbandinsektizide eingesetzt werden.

Öffentlich verfügbare Daten sind wichtig

Die Forschenden untersuchten auch, ob Studien mit Beteiligung von Biotechnologie-Unternehmen abweichende Ergebnisse lieferten. Es zeigte sich: Interessenskonflikte hatten anscheinend keine Auswirkung auf die Publikationen von Daten, da negative Bt-Mais-Effekte eher aus Studien mit Industriebeteiligung hervorgingen. Nichtsdestotrotz, ein Problem für diese Studie war die eingeschränkte Verfügbarkeit der Daten, um sie für Meta-Analysen zu verwenden. Die Veröffentlichung von vollständigen Datensätzen zusammen mit der wissenschaftlichen Publikation (Open Data) ist für zukünftige Meta-Analysen äusserst wichtig. Sie wird bereits von vielen wissenschaftlichen Zeitschriften gefordert und entspricht den Grundpfeilern für die wissenschaftliche Integrität der Schweizerischen Universitäten und des Schweizer Nationalfonds.

Hintergrundinformationen zu Bt-Mais

Fazit

  • Der systematische Review von Agroscope und dem US-Department of Agriculture ging der Frage nach, ob der Anbau von Bt-Mais das Vorkommen und die Funktion von Nichtzielorganismen im Vergleich zum Anbau von Nicht-Bt-Mais verändert.
  • Gemäss der durchgeführten Meta-Analyse hat Bt-Mais geringe Auswirkungen auf Nichtzielorganismen. Damit wird die selektive Wirkungsweise der heute verwendeten Bt-Proteine bestätigt.
  • Durch den Anbau von Bt-Mais kann der Einsatz von Breitbandinsektiziden reduziert werden. Diese werden oft zur Schädlingskontrolle im herkömmlichen Anbau eingesetzt.
  • Die Verfügbarkeit von vollständigen Datensätzen ist für Meta-Analysen wichtig. Dies wird bereits von vielen wissenschaftlichen Zeitschriften gefordert und entspricht den Grundpfeilern für die wissenschaftliche Integrität der Schweizerischen Universitäten und des Nationalfonds.
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