Weidegang verbessert Immunparameter und Blutbild von Kälbern
Foto: Geoffrey Mesbahi,
FiBL.
Weidemast könnte eine Option für die nachhaltige Aufzucht von männlichen Kälbern aus Milchviehbetrieben sein. Wie sich zeigt, wirkt sich der Weidegang positiv auf den Immunstatus aus. Bergweiden erhöhen zudem Hämoglobin und rote Blutkörperchen.
Der Verbleib männlicher Kälber aus Milchviehherden ist nach wie vor nicht zufriedenstellend gelöst. Dies ist insbesondere für den Biolandbau problematisch, da viele Kälber an die konventionelle Mast verkauft werden müssen. Dies führt zu prophylaktischen und therapeutischen Antibiotika-Einsätzen. Die weidebasierte Mast ist ein Ziel, das im Biolandbau eigentlich für diese Tiere angestrebt wird. Dafür bestehen jedoch relativ grosse Hürden im Management, bei den Kosten und bei der Vermarktung. Gerade in Bezug auf die Gesundheit können diese Systeme sowohl positive Effekte haben als auch eine Herausforderung für die Kälber darstellen. Wir wollten spezifisch für die Phase nach dem Abtränken wissen, ob der Weidegang den Immunstatus der Kälber erhöht und damit ihre Gesundheit verbessert.
Gesundheit männlicher Kälber: Effekte von Genotyp und Weidebedingungen
Für ein angenommenes Abtränken im vierten Lebensmonat wurde dies durch das FiBL an 72 Kälbern untersucht. Drei verschiedene Genotypen auf drei unterschiedlichen Weidestandorten, und in einer im Stall gehaltenen Kontrollgruppe wurden vom vierten bis zum sechsten Lebensmonat gemästet. Braunviehkälber repräsentierten dabei eine klassische Milchrasse, Swiss Fleckviehkälber eine etwas mehr in Richtung Zweinutzung tendierende Rasse und Limousin X Braunvieh eine Gebrauchskreuzung. Die drei Weidestandorte befanden sich (bei abnehmender Intensität des Futterbaus) auf drei verschiedenen Höhenlagen: rund 500, 1000 und 2000 m.
Weidegang stärkt Kälbergesundheit
Eine zentrale Fragestellung des Versuches, die hier vorgestellt wird, bezog sich auf die Gesundheit der Tiere, ausgedrückt in einem Gesundheitsscore, dem Blutbild und den Immunoglobulinen im Blut nach drei Monaten Weidegang. Beim Gesundheitszustand gab es zu Beginn des Weideganges höhere Anzeichen von Durchfall als in der Stallhaltung; des Weiteren unterschieden sich die Gruppen nicht. Der Weidegang hatte einen deutlichen positiven Effekt auf a- und g-Globuline im Blutserum. Zudem wirkte die Höhenlage – erwartungsgemäss – der Anämie entgegen: die Kälber auf den Bergweiden hatten mehr Blutfarbstoff und rote Blutkörperchen.
Fazit
- Der Versuch zeigte, dass der Weidegang einen überwiegend positiven Effekt auf die Tiergesundheit und insbesondere auf den Immunstatus hat. Letzterer ist in diesem Alter entscheidend für die Vermeidung von Infektionskrankheiten.
- Das spricht aus Sicht der Tiergesundheit, des Tierwohls und der Vermeidung von Antibiotikaeinsätzen dafür, die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion bereits bei den Kälbern beginnen zu lassen.
- Ein sorgfältiges Management, angefangen beim Abtränken auf dem Geburtsbetrieb, ist davon unbenommen Voraussetzung für eine erfolgreiche Kälber- und Rindermast auf der Weide.
Literaturhinweis
Weidegang verbessert Immunparameter und Blutbild von Kälbern.



