Stickstoffdüngung im Gemüsebau: Welche Messmethoden überzeugen
Foto: Michael Gugger,
Agroscope
Wie zuverlässig sind moderne Messmethoden für die Stickstoffdüngung im Gemüsebau? Feldversuche zeigen: Bewährte Verfahren bleiben überlegen – und eröffnen zugleich Spielraum für reduzierte Düngung ohne Ertragsverlust.
Eine präzise Stickstoffdüngung ist im Freilandgemüsebau entscheidend, um hohe Erträge und Qualität zu sichern und gleichzeitig Umweltbelastungen wie Nitratauswaschung zu minimieren. Die etablierten laborgestützten Messmethoden sind jedoch zeitaufwändig und relativ teuer und werden deshalb im Praxisalltag nicht oft angewendet. Neue digitale Messinstrumente versprechen eine schnellere, kostengüngstigere und damit in der Praxis leichter zu integrierende Bestimmung des Stickstoffstatus.
In einem dreijährigen Feldversuch (2022–2024) wurden verschiedene Methoden zur Bestimmung der Stickstoffversorgung untersucht: die klassische Laboranalyse des mineralischen Stickstoffs (Nmin) im Boden, Pflanzensaftanalysen, ein Sensorsystem (Stenon-Farmlab) sowie Messungen der Chlorophyllabsorption (SPAD). Die Versuche erfolgten praxisnah in einer Fruchtfolge mit Knollensellerie, Weisskohl und Salat und umfassten unterschiedliche Stickstoffdüngestufen.
Analyse von Boden und Pflanzensaft am genausten
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die herkömmliche Nmin-Laboranalyse und die Pflanzensaftanalyse lieferten die zuverlässigsten Ergebnisse zur Differenzierung der Düngestufen. Insbesondere die Pflanzensaftanalyse erwies sich als robust und zeigte häufig gute Korrelationen mit den Laborwerten der Nmin-Bodenproben. Dagegen konnte das getestete Sensorsystem (Stenon-Farmlab) die Düngestufen nur unzureichend abbilden und wies teils grosse Abweichungen auf. Auch die SPAD-Messungen zeigten keine konsistenten Resultate und sind für die Praxis derzeit nur eingeschränkt zur Düngungsbemessung geeignet.
Kein Mehrertrag bei höheren Düngergaben
Bemerkenswert ist, dass höhere Düngergaben als von den GRUD (Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen in der Schweiz) empfohlen in vielen Fällen nicht zu signifikanten Mehrerträgen führten. In mehreren Versuchsjahren und Kulturen waren selbst reduzierte Düngestufen oder ungedüngte Varianten ertraglich vergleichbar mit der Normdüngung gemäss GRUD. Dies deutet auf eine hohe Stickstoffnachlieferung aus dem Boden am Versuchsstandort hin und zeigt das Einspar- bzw. Reduktionspotenzial bei der Düngung, speziell in Sommermonaten, wenn diese durch geeignete Messmethoden unterstützt wird.
Die Ergebnisse unterstreichen zugleich, dass Standortbedingungen, Witterung, Bodenbearbeitung und Vorfrüchte einen erheblichen Einfluss auf die Stickstoffverfügbarkeit und -dynamik haben. Eine einmalige Messung reicht daher nicht aus: Vielmehr ist eine wiederholte und standortspezifische Bewertung notwendig. Ergänzend können Computermodelle (z.B. N-Expert) und Schätzmethoden (korrigierte Norm) helfen, fundierte Düngeentscheidungen zu treffen.
Fazit
- Für die Praxis im Gemüsebau bleiben die Laboranalyse des mineralischen Stickstoffs (Nmin) im Boden und die Pflanzensaftanalyse derzeit die verlässlichsten Instrumente zur Beurteilung der Stickstoff-Versorgung.
- Das Sensorsystem von Stenon-Farmlab sowie die Chlorophyllmessung mit dem SPAD-Sensor lieferten keine genügenden Ergebnisse.
- Düngergaben über die in der Schweiz empfohlene Norm hinaus führten in vielen Fällen nicht zu signifikanten Mehrerträgen. Dies zeigt ein Potenzial zur Reduktion der Stickstoffdüngung ohne Ertragseinbussen, wenn geeignete Analysemethoden genutzt werden.
- Die Autoren empfehlen, standortspezifische Düngestrategien zu fördern und die Weiterentwicklung praxistauglicher Schnelltests zu unterstützen, um Ressourceneffizienz und Umweltschutz zu stärken.
Literaturhinweis
Stickstoffdüngung im Gemüsebau: Präzision und Praktikabilität aktueller Messinstrumente.



