Gezielte Beweidung mit Hochlandrindern: weniger Grünerle, mehr Pflanzenvielfalt
Foto: Massimiliano Probo,
Agroscope
Eine aktuelle Studie von Agroscope zeigt, dass Hochlandrinder potenziell die Ausbreitung der Grünerle eindämmen und die Pflanzenvielfalt auf Weideflächen wiederherstellen können.
Die Grünerle (Alnus viridis) ist eine Strauchart, die sich in den Alpwiesen Zentraleuropas ausbreitet – mit negativen ökonomischen und ökologischen Folgen.
Die gezielte Beweidung mit robusten Rinderrassen kann ihre Ausbreitung eindämmen und zur Wiederherstellung der Weideflächen beitragen. Die langfristige Wirksamkeit dieser Praxis und deren Auswirkungen auf Pflanzenvielfalt und Futterqualität sind jedoch noch nicht erforscht.
Agroscope führte eine Untersuchung an zwei von A. viridis bewachsenen Alpwiesen durch: Bovonne in der Schweiz und Val Vogna in Italien, wo Hochlandrinder seit 2019 bzw. 2009 eingesetzt werden. Die Wissenschaftler charakterisierten die Veränderungen der Pflanzendecke in den letzten Jahrzehnten anhand von Satellitenbildern und führten Vegetationserhebungen durch, um die Auswirkungen der Hochlandrinder auf die Pflanzenvielfalt und den Weidewert zwischen 2019 und 2024 zu evaluieren. Zudem wurden die Bewegungsmuster der Rinder mithilfe von GPS-Tracking ausgewertet.
Verbuschung
Die Langfristbildanalysen zeigen, dass der Grad der Verbuschung nach Einführung der Hochlandrinder an beiden Standorten zurückgegangen ist: in Bovonne von 17 auf 16,3 ha in fünf Jahren (-4 %) und in Val Vogna von 34,6 auf 31,8 ha in 14 Jahren (-8 %).
Pflanzenvielfalt und Futterqualität
Gemäss den 2019 und 2024 durchgeführten Vegetationserhebungen hat die durchschnittliche Artenvielfalt in Bovonne von 25,5 (verzeichnete Arten pro 25 m²) auf 32,2 und in Val Vogna von 30,6 auf 32,9 zugenommen. Der Weidewert (Repräsentation von Produktivität und Futterqualität) der offenen Weideflächen in Bovonne hat sich von 12,9 auf 17,7 (Skala von 0 bis 100) verbessert.
Bewegungen der Tiere
Die Bewegungsmuster der Tiere zeigen eine Präferenz für Weideland gegenüber Strauchflächen, obwohl die Rinder in Bovonne im Laufe der Zeit zunehmend in den Grünerlenbeständen weideten.
Fazit
- Hochlandrinder sind ein wirksames Mittel zur Rückgewinnung der von der Grünerle befallenen Alpwiesen.
- Die gezielte Beweidung mit Hochlandrindern reduziert die Verbuschung in den betroffenen Gebieten und verbessert die Pflanzenvielfalt und die Futterqualität.
- Hochlandrinder passen sich allmählich an ihren Lebensraum an und dringen mit der Zeit in Gebiete vor, die von Grünerlen bewachsen sind
Literaturhinweis
Highland cattle grazing reduces shrubland cover and increases plant diversity in green alder-encroached pastures.



