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Wie stabil werden die künftigen Erträge der Kulturen in der Schweiz sein?

Stabile Erträge im Pflanzenbau sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und die Ernährungssicherheit. Modellsimulationen zeigen, dass die Ertragsstabilität vieler Sommerkulturen durch den Klimawandel erheblich abnehmen könnte, während Winterkulturen deutlich weniger betroffen sind.

Ungünstigen Witterungsbedingungen, insbesondere Trockenheit und Hitze, haben negative Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum. Mit dem Klimawandel treten nachteilige Situationen häufiger auf. Zunehmende Schwankungen der Ernteerträge sind die Folgen. Dies hat Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit des Landes und das Einkommen der Landwirtinnen und Landwirte.

Selbstversorgungsgrad der Schweiz hängt von stabilen Erträgen ab

Bei pflanzlichen Produkten liegt der Selbstversorgungsgrad der Schweiz derzeit bei rund 40 %. Das Bevölkerungswachstum und die in der Klima- und Ernährungsstrategie formulierte Notwendigkeit, die Ernährung stärker an der Ernährungspyramide auszurichten, erfordern eine Steigerung der pflanzlichen Produktion. Gleichzeitig ist eine Vergrösserung der landwirtschaftlichen Nutzfläche kaum realisierbar. Um in Zukunft auch bei der Produktion pflanzlicher Erzeugnisse ein Mindestmass an Selbstversorgung zu gewährleisten, sind nicht nur hohe Erträge, sondern auch eine hohe Ertragsstabilität von grundlegender Bedeutung.

Zukünftige Ernteerträge auf der Grundlage von Schweizer Klimaszenarien modelliert

In dieser Studie wurden Ernteerträge für eine Fruchtfolge mit Winterweizen, Wintergerste, Mais, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln, Soja, sowie Kunstwiese als Zwischenkultur, mit Hilfe eines Pflanzenwachstumsmodells für das heutige Klima und die Zeit um 2060 simuliert. Die Modellierungen basieren auf den vom National Centre for Climate Services (NCCS) bereitgestellten Klimaszenarien. Berücksichtigt wurden die Anbauregionen des westlichen, zentralen und des östlichen Mittellandes, sowie des östlichen Juras.

Unterschiedliche Auswirkungen auf Winter- und Sommerkulturen

Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Pflanzenwachstum unterscheiden sich bei den Sommer- im Vergleich zu Winterkulturen. Höhere Frühlingstemperaturen, ein früherer Beginn der Vegetationsperiode und eine bessere Wasserverfügbarkeit wirken sich positiv auf den Ernteertrag von Winterkulturen aus. Sie profitieren zudem deutlich von erhöhten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre. Im Gegensatz dazu sind Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Soja beim Anbau ohne Bewässerung vom Rückgang der Niederschläge und dem Anstieg der Verdunstungsraten im Sommer betroffen. Jährliche Schwankungen der Sommerniederschläge führen deshalb bei Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Soja zu einem merkbaren Rückgang der Ertragsstabilität, auch unter Berücksichtigung der positiven Auswirkungen erhöhter CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre.

Abnehmende Ertragsstabilität vor allem im zentralen Mittelland

Das zentrale Schweizer Mittelland ist besonders stark von diesem Rückgang betroffen. Simulationsergebnissen zufolge werden die Ertragsschwankungen in dieser Region, ohne Berücksichtigung der positiven Effekte von erhöhten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, bei Soja über 60 %, bei Mais um über 50 %, bei Kartoffeln um 40 % und bei Zuckerrüben um 25 % zunehmen (Abb. 1). Die Zunahme der Variabilität wird durch den Einfluss des steigenden CO₂-Gehalts gemildert, wird jedoch immer noch über 20 % liegen. Diese Resultate sind eine wichtige Grundlage für weiterführende Analysen zur Wirtschaftlichkeit von Anbausystemen, der Notwendigkeit einer Anpassung von Versicherungsstrategien, und der Gewährleistung der Ernährungssicherheit unter zukünftigen Klimabedingungen.

Abbildung 1: Veränderung der Ertragsvariabilität bis 2060 (im Vergleich zu heute) für die Sommerkulturen Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Soja (Resultate aus den Simulationen ohne Berücksichtigung der positiven Effekte von erhöhten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, bezeichnet als cCO2, und unter Berücksichtigung dieser Auswirkungen, bezeichnet als eCO2).

Fazit

  • Der Rückgang und die grössere jährliche Schwankungsbreite der Sommerniederschläge infolge des Klimawandels wird in Zukunft zu einem spürbaren Rückgang der Ertragsstabilität bei Sommerkulturen führen.
  • Modellsimulationen zeigen, dass das zentrale Schweizer Mittelland die Region ist, die von diesen Veränderungen am stärksten betroffen sein wird.
  • Für Wintergetreide wurde ein geringerer Rückgang der Ertragsstabilität simuliert.
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