Unterbodenverdichtung bei Direktsaat vermeiden
Foto: Gabriela Brändle,
Agroscope
Auf direktgesäten Flächen kann es mit den Jahren zu Ertragsverlusten kommen. Forschende von Agroscope und den Universitäten von Graz und Nevada konnten aufzeigen, wie Unterbodenverdichtungen zu Ertragsverlusten führen können.
Direktsaat ist nebst dauerhafter Bodenbedeckung und einer ausgewogenen Fruchtfolge eine der wichtigsten Ansätze für eine konservierende Landwirtschaft. Diese minimalinvasive Form des Ackerbaus wird weltweit auf etwa 15 % der Ackerflächen praktiziert und bietet ökologische und ökonomische Vorteile wie geringeren Energieverbrauch und weniger Bodenerosion.
Ertragsverluste und Unterbodenverdichtung
Trotz dieser Vorteile zeigen globale Meta-Studien, dass es zu anhaltenden Ertragsverlusten kommen kann, insbesondere bei Mais, und dies auch noch Jahrzehnte nach der Umstellung auf Direktsaat. Forschende von Agroscope und den Universitäten von Graz und Nevada ermittelten eine mögliche Ursache dafür: Unterbodenverdichtung. Diese wird in erster Linie durch den Einsatz von schweren Landmaschinen bei feuchten Bodenbedingungen verursacht.
Doch was sind die Gründe? Diese Verdichtung summiert sich gemäss der Studie, wenn die Häufigkeit von Belastungen höher ist als die natürliche Regenerationsrate des Bodens. Dabei führt die Bodenverdichtung zu verminderter Durchwurzelbarkeit, schlechterem Wasser- und Nährstoffzugang sowie langfristigen Bodenfunktionsverlusten.
Relevanz weltweit und für die Schweiz
Die Forschenden schätzen, dass ungefähr 40 % der weltweiten, direktgesäten Flächen, also etwa 0,8 Mio. km², einem erhöhten Bodenverdichtungsrisiko ausgesetzt sind. Direktsaat wird in Nordamerika, Südamerika und Australien auf grosser Skala praktiziert. In Europa ist der Anteil an direktgesäter Flächen bisher gering. Nur etwa 5 % der Ackerfläche werden konsequent ohne mechanische Bearbeitung bewirtschaftet. Bodenverdichtung ist jedoch in allen Bewirtschaftungssystemen ein grosses Problem. Auch in der Schweiz werden leistungsstarke und schwere Maschinen eingesetzt. Zudem besteht bei feuchten Böden in gemässigten Regionen wie der Schweiz von Natur aus eine erhöhte Verdichtungsanfälligkeit. Demzufolge können die Resultate der Studie allgemein für die landwirtschaftliche Praxis von Nutzen sein, da Unterbodenverdichtungen auch bei den meissten Bewirtschaftunsformen in der Schweiz vorkommen können.
Agroscope forscht für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz
Agroscope hat zusammen mit nationalen und internationalen Partnern das Online-Tool Terranimo für die Praxis entwickelt, um solche Bodenverdichtungen wann immer möglich zu vermeiden. Agroscope führt derzeit zwei langjährige Feldversuche durch, bei denen die Regenerationsfähigkeit des Boden sowei verschiedene Massnahmen zur Unterbodenlockerung untersucht werden. Ebenso sind Agroscope Forschende verschiedener Disziplinen an einem Europäischen Verbundprojekt beteiligt, das die Bedeutung und Funktionen des Unterbodens für die Landwirtschaft untersucht.
Fazit
- Auch wenn die Schweiz derzeit nur einen kleinen Anteil an direktgesäten Flächen hat, ist das Risiko der Unterbodenverdichtung für alle Bewirtschaftungsformen ein relevantes Thema.
- Ansätze zur Risikominderung sollten frühzeitig integriert werden, um die Vorteile der konservierenden Landwirtschaft nicht zu gefährden. Hierfür stellt Agroscope mit dem Online-Tool Terranimo eine Entscheidungshilfe bereit.
- Grundlegend wichtig ist es dass das Maschinengewicht und die Radlasten an die Tragfähigkeit des Bodens angepasst werden. Der Einsatz von leichteren oder autonomen Maschinen eröffnet hier in Zukunft neue Möglichkeiten.
- Ausserdem hilft ein Monitoring von Bodenverdichtung, dass man frühzeitig gezielte Lockerungsmassnahmen durchführen kann.
Literaturhinweis
The invisible subsoil compaction risk under no-till farming.



