Das Risiko beim Umgang mit behandeltem Saatgut wird oft unterschätzt
Foto: Gabriela Brändle,
Agroscope
Eine aktuelle Studie zeigt, dass das Expositionsrisiko bei Tätigkeiten mit Saatgut, das mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde, nicht immer richtig eingeschätzt wird. Die Information der landwirtschaftlichen Fachkräfte sollte verbessert werden.
Im Ackerbau verwendetes Saatgut wird häufig mit Pflanzenschutzmitteln (PSM) behandelt, um es bereits bei der Keimung vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Bei der Handhabung dieses Saatguts kann Staub entstehen, der Reste von Wirkstoffen enthält. In der Schweiz müssen Säcke mit behandeltem Saatgut laut Vorschrift einen Hinweis auf die beim Öffnen und Befüllen der Sämaschine zu befolgenden Sicherheitsmassnahmen enthalten. Diese Vorgaben betreffen insbesondere das Tragen geeigneter Schutzhandschuhe sowie die Vermeidung der Bildung und des Einatmens von Staub. Das tatsächliche Risikobewusstsein und -verständnis sowie die praktische Durchführung der Massnahmen durch die beruflichen Anwenderinnen und Anwender sind jedoch bislang kaum dokumentiert.
Vor diesem Hintergrund hat Agroscope mit den Partnern Unisanté, Proconseil und dem Kanton Waadt im Rahmen einer Studie evaluiert, inwieweit die Sicherheitshinweise auf den Säcken mit behandeltem Saatgut von beruflichen Anwenderinnen und Anwendern in der Schweiz tatsächlich wahrgenommen und befolgt werden. Zudem sollte ein eventueller Bedarf an zusätzlichen Informationen oder Erklärungen zu den Risiken beim Umgang mit behandeltem Saatgut identifiziert werden.
2024 wurde bei einer repräsentativen Stichprobe von landwirtschaftlichen Fachkräften, die mit Saatgut umgehen, eine Online-Umfrage durchgeführt. Die erhobenen Daten beziehen sich auf berufliche Praktiken, Risikobewusstsein, Verständnis der gesetzlichen Vorschriften über die Handhabung von Saatgut, Identifizierung von risikobehafteten Tätigkeiten und Verwendung von persönlichen Schutzausrüstungen.
Risiken werden oft unterschätzt
Die Mehrheit der 190 Befragten gab an, bei Tätigkeiten mit Saatgut und vor allem beim Befüllen der Sämaschine Staub ausgesetzt zu sein. Insbesondere bei jüngeren Personen wurde eine starke Diskrepanz zwischen Risikowahrnehmung und entsprechendem Schutz festgestellt.
Obwohl die meisten Befragten angaben, die Etiketten auf den Saatgutverpackungen mit Informationen über die Pflanzenschutzmittel, deren Schädlichkeit und über die Vorsichtsmassnahmen bei der Verwendung zu lesen, ist das Risikoverständnis besonders bei Tätigkeiten, die Schutzmassnahmen erfordern, lückenhaft.
Verbesserungsbedarf bei Kommunikationsstrategien
Die Ergebnisse zeigen einen Verbesserungsbedarf bei den Strategien zur Kommunikation der Risikoexposition auf. So sollen besonders die Angaben auf den Etiketten aussagekräftiger formuliert werden. Die gesetzlichen Vorschriften sollten durch an die verschiedenen Anwendergruppen angepasstes Informationsmaterial ergänzt werden, um sie besser für die Schutzmassnahmen bei Risikotätigkeiten während der Aussaat zu sensibilisieren.
Fazit
- Anwenderinnen und Anwender können bei der Arbeit mit Saatgut Staub ausgesetzt sein, insbesondere beim Befüllen der Sämaschine
- Vor allem bei jungen Befragten wurde eine starke Diskrepanz zwischen Risikobewusstsein und entsprechendem Schutz festgestellt.
- Obwohl die meisten Befragten angaben, die Etiketten auf den Saatgutverpackungen zu lesen, ist das Risikoverständnis besonders bei Tätigkeiten, die Schutzmassnahmen erfordern, lückenhaft.
- Die gesetzlichen Vorschriften sollten durch zielgruppenspezifisches Informationsmaterial ergänzt werden.
Literaturhinweis
Perception des risques d’exposition associés à la manipulation des semences traitées.



