Regionale Naturpärke in der Schweiz: gut für biodiversitätsfördernde Direktzahlungsprogramme
Foto: Gabriela Brändle,
Agroscope
Die Ausweisung von Regionalen Naturpärken in der Schweiz hatte zur Folge, dass Direktzahlungsprogramme zur Förderung der Biodiversität (BFF-Programme) insbesondere in Regionen mit vergleichsweise intensiver Landwirtschaft und bisher unterdurchschnittlicher Teilnahme einen starken Aufschwung erlebten.
Zwei politische Instrumente mit einem gemeinsamen Ziel: Förderung der Biodiversität
Die BFF-Programme sind in der Schweiz seit 1993 ein wichtiges agrarpolitisches Instrument, um den Schutz der Biodiversität in die Landwirtschaft zu integrieren. Landwirtinnen und Landwirte erhalten Direktzahlungen für die Erfüllung der Anforderungen von BFF-Programmen. Derzeit gibt es in der Schweiz drei verschiedene Kategorien von BFF-Programmen: handlungsorientierte (Q1), ergebnisorientierte (Q2) und Vernetzungsbeiträge.
Regionale Naturpärke sind grossräumige, weniger streng geschützte Gebiete, die durch die Umweltpolitik gefördert werden. Naturpärke sollen die Landwirtschaft nicht einschränken, sondern Naturschutz und Biodiversität in eine nachhaltige Landnutzung und sozioökonomische Entwicklung integrieren. In der Schweiz wurden zwischen 2008 und 2018 insgesamt 15 regionale Naturpärke gegründet (Abb. 1).

Die dunkelgrünen Linien markieren die Parkgrenzen zum Zeitpunkt der Ausweisung.
Sowohl regionale Naturpärke als auch BFF-Programme zielen darauf ab, die Biodiversität zu fördern. Deshalb können Naturpärke die Entscheidungen von Landwirtinnen und Landwirten BFF-Direktzahlungsprogamme zu nutzen beeinflussen. So organisieren und koordinieren viele Pärke im Rahmen ihrer Strategien für den Natur- und Biodiversitätsschutz Projekte zur Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft.
Forschende von Agroscope und der ETH Zürich untersuchten den Einfluss regionaler Naturpärke auf die Teilnahme an BFF-Programmen. Dazu analysierten sie Zensus-Daten (AGIS) von über 42’000 Betrieben über die Teilnahme an BFF-Programmen zwischen 2005 und 2020 mittels ökonometrischer Methoden. Zudem wurden die 15 regionalen Naturpärke zu zu ihren BFF-Fördermassnahmen befragt.
Synergien zwischen Regionalen Naturpärken und BFF-Programmen
Die Forschenden stellten fest, dass Landwirtinnen und Landwirte in Gebieten mit regionalen Naturpärken seit der Parkgründung ergebnisorientierte BFF-Programme (Q2) im Durchschnitt 12 % häufiger umsetzen als zuvor. Zum Vergleich wurden Gebiete ohne Pärke herangezogen, die jedoch ähnliche natürliche und sozioökonomische Bedingungen aufweisen. Insgesamt deutet dies auf Synergien zwischen Pärken und BFF-Programmen und damit zwischen umweltpolitischen und agrarpolitischen Massnahmen hin.
Synergien zeigen sich vor allem in Regionen mit vergleichsweise intensiver Landwirtschaft
Die 15 Schweizer Pärke befinden sich im Alpenraum und im Jura (Abb. 1). Sie unterscheiden sich punkto Intensität der Landwirtschaft und Schutz der Biodiversität. Im Alpenraum wurden bereits vor der Gründung der Pärke aufgrund der extensiveren Landwirtschaft und der grösseren Artenvielfalt deutlich mehr BFF-Programme implementiert.
Die Forschenden stellten in weiteren Untersuchungen fest, dass sich die Pärke in den zwei Regionen sehr unterschiedlich auf die Teilnahme an BFF-Programmen auswirkten (Abb. 2). Im Jura, wo die landwirtschaftliche Produktion vergleichsweise intensiv ist und vor der Parkgründung weniger BFF-Programme implementiert wurden, haben handlungsorientierte (Q1), ergebnisorientierte (Q2) und Vernetzungsprogramme danach durchschnittlich um 9,5 %, 51 % bzw. 74 % zugenommen. Im Alpenraum dagegen hatte die Parkgründung keinen Einfluss auf die Teilnahme an BFF-Programmen.

Die Y-Achse gibt die Veränderung des Anteils der landwirtschaftlichen Nutzfläche an, die aufgrund der Ausweisung der regionalen Naturpärken als BFF-Fläche genutzt wird. Im Jura wird die Zunahme der handlungsorientierten (Q2), ergebnisorientierten (Q2) und vernetzungsbezogenen BFF-Programme nach der Parkgründung auf 9,5 %, 51 % und 74 % geschätzt.
Die Auswirkungen hängen nicht von einer bestimmten Form der Förderung durch den Park ab
Anhand einer Umfrage bei allen 15 Parkverwaltungen untersuchten die Forschenden, ob sich die Auswirkungen der Pärke auf die Teilnahme an BFF-Programmen danach unterscheiden, ob die Pärke den Landwirtinnen und Landwirten Informationen oder finanzielle Unterstützung anbieten. Dabei zeigte sich jedoch, dass die Teilnahmen an BFF-Programmen nicht durch eine bestimmte Form der Unterstützung beeinflusst wird. Vielmehr scheinen die Massnahmen der Pärke als Ganzes die Entscheidung der Landwirtinnen und Landwirte, sich an BFF-Programmen zu beteiligen, zu beeinflussen.
Fazit
- Insgesamt begünstigen regionale Naturpärke die Teilnahme von Landwirtinnen und Landwirten an ergebnisorientierten BFF-Programmen.
- Regionale Naturpärke tragen in Regionen mit vergleichsweise intensiver Landwirtschaft und geringer Teilnahme an BFF-Programmen vor der Parkgründung am meisten zur Förderung der Teilnahme bei.
- In diesen Regionen können Pärke die Hemmschwelle für die Teilnahme an BFF-Programmen senken und Synergien nutzen.
- Ob Synergien zwischen regionalen Naturpärken (umweltpolitische Massnahme) und BFF-Programmen (agrarpolitische Massnahme) entstehen, hängt von den Produktionsbedingungen am Ort der neuen Massnahme (Park) und von der vorherigen Teilnahme an BFF-Programmen ab.
Literaturhinweis
Protected Areas and Agricultural Biodiversity Conservation—Do Parks Increase AES Adoption?.



