Wasserlinsen: eine zukünftige Futterkomponente zur Schliessung von Stickstoff-Kreisläufen?
Foto: Jens Wohlfahrt,
FiBL
Wasserlinsen können auf nährstoffreichen Gewässern, sowie auch Abwässern oder Hofdünger effizient proteinreiche Biomasse bilden und dabei Stickstoff und Phosphor binden. Dies könnte Potenziale für eine moderne Kreislaufwirtschaft haben.
Am Forschungsinstitut für Biologischen Landbau in Frick wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Versuche auf verschiedenen Skalen durchgeführt, um die Möglichkeiten und Herausforderungen für die Produktion von Wasserlinsen auf verdünntem Hofdünger zu evaluieren und entwickeln. Da Wasserlinsen effizient lösliche Stickstoff- und Phosphorverbindungen aus dem Nährmedium aufnehmen und eine proteinreiche Biomasse bilden, könnten sie als Bindeglied eines kurzen betriebsinternen N-Kreislaufs dienen. Stickstoffüberschüsse aus dem Hofdünger könnten abgereichert und gleichzeitig ein alternativer Proteinträger für die Tierernährung produziert werden.
Optimale Bedingungen für die Produktion von Wasserlinsen
Die grundsätzliche Machbarkeit konnte auf verschiedenen experimentellen Skalen gezeigt und optimiert werden. Bei optimalen Verdünnungen von Gülle (acht Teile Wasser, ein Teil Gülle), respektive Ammonium-N-Konzentrationen (rund 20 mg/L) werden Stickstoff- und Phosphorverbindungen aus dem Medium effizient in Pflanzenmaterial mit rund 30 % Rohprotein in der Trockensubstanz umgewandelt. Auf diese Weise liessen sich rund 180 kg TS pro 100 m2 und Jahr produzieren. Auf einen Hektar hochgerechnet wäre dies, wenn auch ein theoretischer Wert, ein Ertrag von rund sechs Tonnen Rohprotein pro Jahr.
Ökologische Bewertung des Verfahrens
Da es aber auch zu Stickstoffverlusten kam, ist die Messung und kalkulatorische Einordnung von Ammoniak- und Lachgasemissionen eine noch ausstehende wesentliche Voraussetzung für die gesamtökologische Einordnung eines solchen Verfahrens. Eine Studie hierzu wird gegenwärtig am FiBL ausgewertet.
Verarbeitung und Einsatz in der Tierernährung
Eine weitere Herausforderung liegt noch in der Prozessierung, v.a. Trocknung und Hygienisierung, der Biomasse. Es konnte gezeigt werden, dass die hygienische Qualität in aller Regel, aber nicht immer, sehr hoch war, und dass v.a. durch entsprechende Lagerung der Gülle vor dem Einsatz als Medium das Problem stark eingrenzt. Für die Verarbeitung kommt neben der Trocknung auch die Silierung in Betracht und konnte im Labormassstab mit guten Ergebnissen durchgeführt werden.
Fischfütterungsversuche zeigten eine generelle Eignung als Fischmehlersatz und deren Grenzen. Geflügelfütterungsversuche sind für die nahe Zukunft am FiBL geplant.
Fazit
- Die Produktion von Wasserlinsen auf flüssigen Hofdüngersubstraten bietet einen innovativen Ansatz zur Schliessung von Stoffkreisläufen und als alternative Eiweissquelle für die Ernährung von Fischen sowie wahrscheinlich auch Geflügel oder Schweinen.
- Bis zur tatsächlichen Praxisreife müssen im Verfahren noch verschiedene Schritte optimiert und Herausforderungen – insbesondere in den Bereichen Hygiene und Prozessierung – gelöst werden.
- Die Ergebnisse der FiBL-Versuche sprechen dafür, dass es sich lohnt, diesen Weg weiter zu verfolgen. Ein wichtiger nächster Schritt ist die Etablierung von Pilotanlagen auf privaten landwirtschaftlichen Betrieben.
Literaturhinweis
Wasserlinsen: eine zukünftige Futterkomponente zur Schliessung von Stickstoff-Kreisläufen?



