Pflanzendiversität auf Wiesen hilft bei erhöhtem Trockenheitsrisiko
Foto: Nicolas Alou
Diversität der Pflanzenarten im intensiv bewirtschafteten Grünland kann wie eine «natürliche Versicherung» wirken, da sie Produktionsschwankungen reduziert. Die Wirkung bleibt auch bei erhöhtem Trockenheitsrisiko bestehen.
Mit einem Anteil von 60 % an den weltweiten Agrarflächen spielen Wiesen und Weiden eine zentrale Rolle als Futterlieferanten. Sie sind jedoch auch klimatischen Risiken ausgesetzt, insbesondere der Trockenheit. Um diese Risiken zu reduzieren, können Landwirtinnen und Landwirte die Resilienz ihrer Betriebe durch eine Art «natürliche Versicherung» stärken, indem sie die Pflanzendiversität erhöhen. Dies trägt zur Stabilisierung der Erträge bei und bietet auch ökologische Vorteile.
Ökonomischer Ansatz nutzt Pflanzendiversität als natürliche Versicherung
Eine von der ETHZ und Agroscope durchgeführte Studie betrachtet die Pflanzendiversität aus ökonomischer Sicht als ein Portfolio von Vermögenswerten, das Produktionsschwankungen verringert und somit einen «Versicherungswert» hat. Die Analyse kombiniert einen theoretischen Rahmen mit empirischer Modellierung auf Grundlage von experimentellen Daten aus Grünlandflächen in der Schweiz. Diese bestehen aus hochproduktiven Arten, die üblicherweise in intensiv bewirtschafteten Graslandsystemen verwendet werden. Die Studie zeigt zwei stabilisierende Mechanismen auf – einen «ökologischen Effekt» und einen «statistischen Effekt» – sowie, dass die Asynchronität der Arten, d. h. die zeitliche Komplementarität des Wachstums eine wichtige Rolle spielt.
Pflanzendiversität reduziert Risiken durch einen statistischen Effekt
Die Ergebnisse zeigen, dass Pflanzendiversität die Ertragsschwankungen tendenziell senkt und bestätigt somit ihre stabilisierende Funktion. Gleichzeitig weist die Studie auf ein erhöhtes Risiko extremer Verluste in diversifizierteren Systemen hin (negativere «skewness» oder Schiefe). Dennoch bleibt die Gesamtbilanz durch Diversifizierung positiv: Der Versicherungswert der Pflanzenvielfalt ist signifikant und bleibt auch bei steigendem Trockenheitsrisiko erhalten.
Die Analyse zeigt ausserdem, dass der statistische Effekt der Mittelung stärker zur Entstehung dieses Versicherungswertes beiträgt als direkte ökologische Interaktionen zwischen den Arten. Mit anderen Worten: Entscheidend für die ökonomische Stabilität von Grünland ist vor allem die Diversifizierung selbst, also die Kombination von Arten mit unterschiedlichem Verhalten.
Integrierte Perspektive für eine nachhaltige Wiesenbewirtschaftung
Die Ergebnisse bestätigen, dass die Diversität von Pflanzen im intensiv bewirtschafteten Grasland ein Instrument für das Risikomanagement darstellen kann. Die Studie beleuchtet das Potenzial dieser Strategie zur Stärkung der Resilienz landwirtschaftlicher Systeme gegenüber Trockenheit – eine zentrale Herausforderung vor dem Hintergrund des Klimawandels.
Diese Schlussfolgerungen sind auch für politische Entscheidungsträger relevant: Sie legen nahe, dass die Diversität von Pflanzen im intensiv bewirtschafteten Grasland nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch als ökonomisches Stabilisierungsinstrument in der Agrar- und Klimapolitik mehr beachtet werden sollte.
Fazit
- Die Pflanzendiversität in intensiv bewirtschaftetem Grünland kann als «natürliche Versicherung» wirken. Sie reduziert Produktionsschwankungen und bietet einen messbaren ökonomischen Wert.
- Der Versicherungseffekt beruht hauptsächlich auf dem statistischen Effekt der Mittelung und weniger auf direkten ökologischen Interaktionen zwischen den Arten.
- Selbst unter Bedingungen eines erhöhten Trockenheitsrisikos bleibt der Versicherungswert der Diversität positiv.
- Diese Ergebnisse sprechen für eine stärkere Berücksichtigung der Pflanzendiversität in der Agrar- und Klimapolitik als Faktor für ökonomische und ökologische Resilienz.
Literaturhinweis
Plant diversity to cope with increased drought risk in grasslands.



