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Arbeitsbelastung auf Landwirtschaftsbetrieben aussagekräftiger erfassen als mit einfachen Berechnungen

Die Arbeitsbelastung auf einem Landwirtschaftsbetrieb lässt sich nicht allein anhand der Arbeitszeit, der verfügbaren Arbeitskräfte oder mit Modellberechnungen bestimmen. Eine Studie mit 571 Schweizer Landwirtschaftsbetrieben zeigt deutliche Unterschiede zwischen der gemessenen und der wahrgenommenen Arbeitsbelastung.

Die Arbeitsbelastung auf Landwirtschaftsbetrieben ist ein zentraler Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit, da sie das Wohlbefinden der Landwirtinnen und Landwirte, die Attraktivität des Berufs und das langfristige Überleben der Betriebe beeinflusst. Die Nachhaltigkeitsbewertung stützt sich häufig auf Indikatoren, die sich einfach berechnen lassen, anstatt auf Indikatoren, die widerspiegeln, wie die Arbeit tatsächlich erlebt wird. Wird eine Messgrösse stellvertretend verwendet, besteht die Gefahr, dass Betriebe nicht erkannt werden, deren Arbeitsbelastung aus sozialer Sicht als nicht nachhaltig empfunden wird.

Drei Indikatoren, drei unterschiedliche Dimensionen

Für die Studie wurden Daten von 571 Schweizer Landwirtschaftsbetrieben aus dem Agrarpolitischen Informationssystem (AGIS), dem Modell LabourScope sowie einer Online-Befragung von Landwirtinnen und Landwirten aus dem Jahr 2025 zusammengeführt. Verglichen wurden drei Messgrössen: die von den Landwirtinnen und Landwirten selbst angegebene Arbeitszeit, die auf dem Betrieb verfügbaren Arbeitskräfte sowie die anhand des modellierten Arbeitszeitbedarfs geschätzte Arbeitszeit. Die von den Landwirtinnen und Landwirten wahrgenommene Arbeitsbelastung wurde als Proxy-Indikator für die soziale Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Arbeit herangezogen. Untersucht wurde, inwieweit die drei Messgrössen miteinander übereinstimmen und in welchem Zusammenhang sie mit der wahrgenommenen Arbeitsbelastung stehen. Dabei wurden sowohl unterschiedliche Betriebstypen als auch unterschiedliche Grade der Diversifizierung berücksichtigt.

Die Indikatoren sind nicht austauschbar

Die drei Messgrössen zeigten eine geringe Übereinstimmung untereinander. Dies bestätigt, dass sie unterschiedliche Aspekte der Arbeitsbelastung erfassen. Die selbst angegebene Arbeitszeit wies den stärksten und robustesten Zusammenhang mit der wahrgenommenen Arbeitsbelastung auf. Bei der modellierten Arbeitszeit zeigte sich dagegen kaum oder gar kein Zusammenhang. Die verfügbaren Arbeitskräfte korrelierten uneinheitlich und insgesamt schwächer. Auch zwischen den verschiedenen Betriebstypen und je nach Grad der Diversifizierung zeigten sich deutliche Unterschiede. Die selbst angegebene Arbeitszeit erwies sich insbesondere bei Ackerbaubetrieben und Mutterkuhbetrieben als aussagekräftig. Bei Milchviehbetrieben deckte sich keine der drei Grössen mit der wahrgenommenen Arbeitsbelastung, obwohl diese Betriebe die längsten Arbeitszeiten angaben. Dies deutet darauf hin, dass neben der Gesamtarbeitszeit auch Faktoren wie Arbeitsorganisation, Arbeitsroutinen, zeitliche Flexibilität und Autonomie, finanzielle Sicherheit sowie soziale Einbindung eine wichtige Rolle spielen.

Folgerungen für Politik, Praxis und Forschung

Das Monitoring der Arbeitsbelastung sollte sich am jeweiligen Ziel orientieren. Modellierte Arbeitszeiten eignen sich dazu, den Zeitbedarf für bestimmte Tätigkeiten abzuschätzen, die verfügbaren Arbeitskräfte geben Aufschluss über die Arbeitskapazität eines Betriebs und die selbst angegebene Arbeitszeit bildet die tatsächlich geleistete Arbeitszeit ab. Wenn das Ziel darin besteht, eine übermässige Belastung zu vermeiden, ist die wahrgenommene Belastung entscheidend, die am besten beschrieben wird durch die selbst angegebene Arbeitszeit, kombiniert mit einer kurzen Bewertung der Belastung durch die Betroffenen.

Nationale Monitoring-Systeme zu Landwirtschaftsbetrieben und Nachhaltigkeit sollten deshalb ergänzt werden mit einem Indikator, der auf der wahrgenommenen Arbeitsbelastung beruht. Insbesondere zur wahrgenommenen Arbeitsbelastung auf Milchviehbetrieben besteht weiterer Forschungsbedarf. Eine Untersuchung der strukturellen und psychosozialen Faktoren kann dazu beitragen, besser zu verstehen, wie Milchviehhaltende ihre Arbeitsbelastung erleben. Die landwirtschaftliche Beratung kann Messgrössen zur Arbeitszeit und Arbeitsbelastung nutzen, um zu entscheiden, ob ein Betrieb eine bessere Arbeitsplanung, zusätzliche Arbeitskräfte, eine Neuorganisation der Arbeit, eine stärkere Mechanisierung oder Unterstützung im Bereich des allgemeinen Wohlbefindens benötigt.

Fazit

  • Die Studie zeigt, dass kein einzelner Indikator die wahrgenommene Arbeitsbelastung vollständig abbildet und als alleinige Grundlage für die Beurteilung der sozialen Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Arbeit dienen kann.
  • Die angegebene Arbeitszeit, die verfügbaren Arbeitskräfte und der modellierte Arbeitszeitbedarf beantworten unterschiedliche Fragen. In dieser Studie erwies sich die selbst angegebene Arbeitszeit als der konsistenteste Proxy-Indikator für die wahrgenommene Arbeitsbelastung.
  • Die Indikatoren von Monitoring-Systemen sollten deshalb auf die Ziele abgestimmt werden. Wenn es darum geht, eine übermässige Arbeitsbelastung zu erkennen, sollte die Wahrnehmung der Landwirtinnen und Landwirte direkt erfasst werden. Strukturelle und modellbasierte Kennzahlen bleiben wichtige Instrumente für die Arbeitsplanung, sollten jedoch nicht als Ersatz für die wahrgenommene Arbeitsbelastung betrachtet werden.
  • Ein mehrdimensionaler Ansatz, der den Betriebstyp berücksichtigt, würde eine fundiertere Grundlage für die frühzeitige Erkennung von Belastungssituationen, für die Beratung und für die Agrarpolitik bieten.
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