Wie die Schweiz Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Landwirtschaftsböden langfristig im Blick behalten kann
Foto: Gabriela Brändle,
Agroscope
Eine schweizweite Untersuchung zeigt: Bewirtschaftung und Standort prägen das Auftreten von Pflanzenschutzmittelrückständen (PSM) in Schweizer Landwirtschaftsböden. Zudem bleiben diese teilweise länger nachweisbar als erwartet. Die Ergebnisse bilden eine wesentliche Grundlage für ein langfristiges Bodenmonitoring.
Landwirtschaftliche Böden erfüllen zentrale Funktionen für die Nahrungsmittelproduktion sowie zahlreiche weitere Ökosystemleistungen. Gleichzeitig sind sie den PSM unmittelbar ausgesetzt. In einer schweizweiten Untersuchung im Rahmen des Aktionsplans Pflanzenschutzmittel (AP PSM) zur Etablierung eines PSM-Bodenmonitorings wurden insgesamt 146 Substanzen (127 Wirkstoffe und 19 Transformationsprodukte) in Oberböden von 126 Standorten mit Acker-, Gemüse-, Obst- und Weinbau analysiert.
Rückstände wurden schweizweit nachgewiesen
PSM-Rückstände wurden an allen Standorten und über alle Arten der Agrarkulturen hinweg nachgewiesen. Die Studie untersuchte insbesondere die Zusammenhänge mit Bewirtschaftungs-, Boden- und Klimabedingungen, den langfristigen Verbleib und die potenzielle ökotoxikologische Relevanz der PSM-Rückstände.
PSM-Rückstände hängen mit Bewirtschaftung, Boden und Klima zusammen
Die Ergebnisse zeigen, dass neben der Bewirtschaftung (insb. der Applikationsintensität) auch standortspezifische Faktoren eine wichtige Rolle für die Anzahl nachgewiesener PSM-Rückstände spielen. Die Anzahl nahm mit zunehmendem Gehalt an organischem Bodenkohlenstoff zu, während sie mit zunehmendem langjährigem mittlerem Niederschlag abnahm. Feuchte Bedingungen können den mikrobiellen Abbau von PSM begünstigen. Organischer Bodenkohlenstoff wirkt gegenläufig: Er fördert zwar die mikrobielle Aktivität, erhöht aber zugleich die Bindung der PSM und verringert damit deren Abbau.
PSM-Rückstände bleiben länger nachweisbar als Zulassungsdaten erwarten lassen
Darüber hinaus zeigt die Studie, dass zahlreiche PSM-Rückstände länger im Boden nachweisbar bleiben als aufgrund regulatorischer Feldhalbwertszeiten zu erwarten wäre. Bei mehreren der erfassten PSM, für die Applikationsmenge und -datum vorlagen, wurden auch lange nach der Anwendung noch Konzentrationen nachgewiesen, die für Bodenorganismen potenziell relevant sein können. Da Untersuchungen im Rahmen des Zulassungsverfahrens das langfristige Verhalten von PSM nur begrenzt abbilden, sind Langzeitbeobachtungen eine wichtige Ergänzung. Solche Messreihen und Informationen zur Bewirtschaftungs- und Applikationshistorie schaffen die Datengrundlage, um zeitliche Entwicklungen von PSM-Rückständen einzuordnen und die im Zulassungsverfahren abgeschätzte Persistenz zu überprüfen.
FAZIT UND EMPFEHLUNGEN
- An allen untersuchten Schweizer Agrarstandorten wurden PSM-Rückstände im Boden nachgewiesen, wobei deren Auftreten sowohl mit der Applikationsintensität als auch mit Boden- und Klimafaktoren in Zusammenhang standen.
- Ein langfristiges Bodenmonitoring sollte verschiedene Bewirtschaftungs-, Boden- und Klimabedingungen abdecken, um Rückstände repräsentativ zu erfassen und standortspezifische Unterschiede bei der Interpretation zu berücksichtigen.
- Bei mehreren PSM wurden Rückstände länger im Boden nachgewiesen, als aufgrund von Zulassungsdaten zu erwarten wäre. Langfristige Messreihen sollten mit Informationen zur Bewirtschaftungs- und Applikationshistorie verknüpft werden, um zeitliche Entwicklungen und Standortunterschiede bei PSM-Rückständen einordnen zu können.
- Monitoringdaten unter Praxisbedingungen können die Datengrundlage aus dem Zulassungsverfahren ergänzen und Hinweise darauf liefern, wo regulatorische Persistenzannahmen überprüft werden sollten.
Literaturhinweis
Longevity of modern pesticides in Swiss agricultural soils: distribution, drivers, and potential environmental implications.



