Strategien zur Reduktion von Stickstoff- und Phosphorverlusten
Foto: Gabriela Brändle,
Agroscope
Die landwirtschaftliche Nährstoffbilanzierung der Schweiz anhand der Hoftorbilanz wurde mit Importen aus dem Ausland zu einer Lebensmittelsystembilanz erweitert. Damit lassen sich neben den Nährstoffüberschüssen auch die Selbstversorgung und Zirkularität der Nährstoffnutzung bewerten.
Die Hoftorbilanz wird verwendet um die Nährstoffflüsse eines Landes, einer Region oder eines Betriebs zu bewerten. In der Schweiz findet sie auch auf nationaler Ebene als Zielindikator der Agrarpolitik Anwendung. Sie erfasst unter anderem die Ein- und Austräge von Stickstoff (N) und Phosphor (P) durch Futtermittel, Dünger, Zukauf und Verkauf von Tieren sowie die landwirtschaftliche Produktion.
In dieser Studie wurden die Systemgrenzen der Bilanzierung um die Lebensmittelproduktion und um Abfallströme erweitert. Dies beinhaltete somit auch die Einfuhr, den Verbrauch und die Verwertung von Nährstoffen im Ausland. Anhand verschiedener Szenarien wurden Handlungsspielräume und Potentiale zur Reduktion der Verluste diskutiert:
- Business as usual (BAU) – wachsende Nachfrage von Lebensmitteln bei konstanter Produktion
- Optimiertes Nährstoffmanagement – Methoden der guten landwirtschaftlichen Praxis zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Nährstoffnutzungseffizienz in der Tierhaltung, beim Hofdüngermanagement und der Düngung im Pflanzenbau
- Foodwaste-Reduktion – Reduktion von Lebensmittelverlusten in der gesamten Lebensmittelkette als Strategie zur Steigerung der Ressourcennutzungseffizienz und der Selbstversorgung
- Kreislauflandwirtschaft – Fokus der pflanzlichen Produktion auf menschliche Ernährung. Nebenprodukte werden als Dünger und Tierfutter genutzt und die Tierhaltung soll vorwiegend. Grasland basiert sein
- Kombination – vereint die Strategien Foodwaste-Reduktion, Kreislauflandwirtschaft und optimiertes Nährstoffmanagement
Die Ergebnisse zeigen, dass der Schweizer Lebensmittelkonsum nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland zu erheblichen Nährstoffüberschüssen führt. Da die Schweiz mehr Futter- und Nahrungsmittel importiert als exportiert, entstehen ausserhalb des Landes mit rund 37’000 Tonnen N und 2’700 Tonnen P etwa 35 % (N) und 66 % (P) zusätzliche Nährstoffüberschüsse zu denen innerhalb der Schweiz.
Kombination der Strategien mit höchstem Potenzial
Die drei Strategien – optimiertes Nährstoffmanagement, Kreislauflandwirtschaft mit pflanzenbasierter Ernährung und die Kombination – erwiesen sich mit etwa -30, -18 und -44 % für Stickstoff und -32, -5, -53 % für Phosphor als effektiv zur Senkung der internen Nährstoffüberschüsse im Vergleich zu heute und dem Business as usual. Ausserdem ergibt sich ein verbesserter Selbstversorgungsgrad. Zukünftige Studien könnten gezielt die effizientesten Produktionssysteme ermitteln und so helfen, wirksame Strategien auszuarbeiten und zu begründen.
Die Umsetzung dieser Strategien ist herausfordernd, insbesondere da die Landwirtschaft ein heterogener Sektor mit unterschiedlichen Betriebsarten und -grössen, geografischen, sozio-ökonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen ist. Zudem beeinflussen externe Faktoren (z.B. Dünger- und Futterpreise) die Machbarkeit einzelner und kombinierter Massnahmen.
Während technische und sehr konkrete Massnehmen wie die Abdeckung von Güllelagern oder die Optimierung der Düngung relativ schnell umgesetzt werden können, benötigen strategische Veränderungen von Sektoren wie die Umstellung von Anbau- und Haltesystemen oder sogar die Umstellung der Ernährung der Bevölkerung mehr Zeit. Dies gilt es für die Auswahl, Priorisierung und Kombination von Massnahmen zu berücksichtigen.
Fazit
- Das Modell der Hoftorbilanz wurde um die Nährstoffüberschüsse der importierten Futter- und Nahrungsmittel und Indikatoren zur Nährstoffeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Selbstversorgung erweitert.
- Mit dem Modell wurden die Auswirkungen verschiedener Entwicklungsszenarien auf die Nährstoffüberschüsse im In- und Ausland vereinfacht verglichen.
- Höchstes Potenzial zur Reduzierung der Nährstoffverluste zeigte sich bei einer Kombination von Strategien (Optimierung des Nährstoffmanagements, Reduktion von Lebensmittelabfällen und Kreislauf-orientierte Landwirtschaft).
- Die Bilanzierung mit erweiterten Dimensionen von der Produktion bis zum Konsum kann helfen, essenzielle Grundlagen für politische Entscheidungsprozesse bereitzustellen.
Literaturhinweis
Exploring the strategic potential for Switzerland to reduce nitrogen and phosphorus surplus in agriculture.



