Japankäfer in der Schweiz haben italienische und nordamerikanische Wurzeln
Foto: Christian Linder,
Agroscope
Genomanalysen zeigen, dass die Japankäfer-Populationen in der Schweiz unterschiedliche Herkünfte aufweisen. Das weist auf mehrere Eintrags- und Ausbreitungswege hin – ein Wissen, das helfen kann, gezielte Massnahmen zur Prävention oder Eindämmung zu entwickeln.
Der Japankäfer (P. japonica) stammt ursprünglich aus Japan. Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat er sich ausgebreitet und sich sowohl in Nordamerika als auch in Europa zu einem bedeutenden invasiven Schädling entwickelt. Mit dem fortschreitenden Klimawandel wird erwartet, dass er seinen Lebensraum weiter in die nördlichen Regionen beider Kontinente ausdehnen wird, was eine zunehmende Bedrohung für die Landwirtschaft und die Ökosysteme darstellt.
Der Japankäfer befällt viele wichtige Kulturpflanzen
P. japonica ernährt sich von über 400 Pflanzenarten, darunter wichtige Kulturpflanzen wie Reben, Mais, Soja, oder Obstbäume. Die adulten Käfer verursachen erhebliche Schäden an Blättern, Blüten und Früchten der Wirtspflanzen.
Ausbreitung des Schädlings in Europa und der Schweiz
Die Besiedlung Europas begann in den 1970er Jahren auf den Azoren, gefolgt von Italien im Jahr 2014 und der Südschweiz (Tessin) im Jahr 2017. 2023 wurde nördlich der Alpen in der Nähe des internationalen Flughafens Zürich, eine neue Population identifiziert. Weitere Individuen wurden auch in im Kanton Basel und im Simplon Gebiet (Kt. Wallis) nahe der Grenze zu Italien gefunden. Im Sommer 2024 wurden Befälle in weiteren Teilen der Schweiz festgestellt, darunter ein weiteres Gebiet im Kanton Wallis sowie vereinzelte Fänge in den Kantonen Aargau, Graubünden, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn und Uri.
Migrationsmuster erkennen mittels Genom-Analysen
Um die Ausbreitung und Herkunft von P. japonica in der Schweiz nachzuvollziehen, untersuchten Forschende von Agroscope und der Universität Siena 42 Individuen aus befallenen Gebieten in der Schweiz.
Analysen der DNA-Sequenzen erlaubten die genetischen Profile der Schweizerischen Japankäfer-Individuen zu bestimmen. Diese wurden mit den Profilen von Individuen aus Italien und Nordamerika verglichen. Damit konnte die Herkunft der Schweizer Individuen ermittelt werden. Die Populationen in Basel, im Wallis und in der Zentralschweiz sind verwandt mit den Populationen aus dem Tessin/Norditalien und gelangten wahrscheinlich über den Strassen- oder Schienenverkehr in die Schweiz. Die Population in der Nähe des Flughafens Zürich hingegen wurde als eigenständige Population identifiziert, die näher verwandt ist mit der Population in Nordamerika. Diese Individuen wurden wahrscheinlich durch Lufttransport importiert.
Fazit
- Die Japankäfer-Populationen in der Schweiz weisen unterschiedliche Herkünfte auf. Diese konnten durch Genomanlysen ermittelt werden.
- Die Populationen in Basel, im Wallis und in der Zentralschweiz zeigen einen hohen Verwandtschaftsgrad mit Individuen aus dem Tessin/Norditalien. Sie gelangten wahrscheinlich über den Strassen- oder Schienenverkehr in die Nordschweiz.
- Die Population in der Nähe des Flughafens Zürich hingegen wurde als eigenständige Einführung aus Nordamerika identifiziert, wahrscheinlich durch unbeabsichtigten Lufttransport.
- Ein Verständnis möglicher Einschleppungs- und Verbreitungswege ist wichtig, zur Eindämmung oder sogar Verhinderung einer weiteren Schädlingsverbreitung.
- Unabhängig von der Herkunft bleiben die Bekämpfungsmassnahmen gleich.
Literaturhinweis
Population genomics identifies Italian and North American origins of Popillia japonica in Switzerland.



