Räuschling-Klonzüchtung: Erweiterung der genetischen Vielfalt um vier neue Klone
Foto: Prisca Koller,
Agroscope;
Räuschling Klon 42
Die Rebsorte Räuschling wird dank der Selektion neuer Klone stabiler im Anbau und in der Weinqualität. Mehrjährige Versuche zeigen, dass vier neue Klone den Ertrag und die Qualität stabilisieren und das Risiko von Beerenplatzen sowie Botrytisbefall (Grauschimmel) reduzieren.
Der Räuschling ist eine lokalhistorisch bedeutsame Weissweinsorte mit Schwerpunkt am Zürichsee (2024: 28,3 ha; 72 % davon im Kanton Zürich). Gleichzeitig gilt er als anspruchsvoll im Anbau: Vor der Lese neigen die Beeren zum Aufplatzen, was Botrytis begünstigt und den Selektions- bzw. Leseaufwand erhöht.
Agroscope-Klonensammlung: Schlüssel zur genetischen Vielfalt des Räuschlings
Seit den 1970er-Jahren betreibt Agroscope eine Klonenselektion, um Ertragssicherheit, Krankheitsrobustheit und Traubenqualität zu verbessern. Die heutige Klonensammlung (20 Genotypen) ist die weltweit einzige für diese Sorte und damit zentral für die genetische Vielfalt.
In Stäfa (ZH) wurden 2015–2021 fünfzehn Klone auf identischer Unterlage (3309C) im einfachen Guyot verglichen. Der Referenzklon 42 diente als Benchmark. Trotz witterungsbedingter Extremjahre (Spätfrost/Hagel 2017; feuchter Sommer 2021) erreichten mehrere Klone das Ertragsziel von 1 kg/m². Die Mostgewichte bewegten sich eng zwischen 80–84 °Oe (Abb. 1), Säure/Pufferung und pH (3.1) waren klonübergreifend ähnlich; önologische Unterschiede blieben klein.
Die neu ausgewählten Klone im Vergleich: Unterschiede in Ertrag, Botrytisresistenz und Weinprofil
- Klon 3: sehr konstante Erträge, lockere Trauben, geringe Platzanfälligkeit und tendenziell weniger Botrytis; sensorisch top bewertet; hoher Formol-Index (hefeverfügbarer Stickstoff).
- Klon 25: höchstes Ertragspotenzial, zugleich relativ hohe Oechsle; sehr lockere Trauben; in Einzelfällen (2017/2019) mehr Botrytis, sonst mittlere Anfälligkeit; sensorisch sehr gut.
- Klon 28: überdurchschnittliche Oechsle, lockere Trauben, tendenziell weniger Platzen/Botrytis; sensorisch gehaltvoll mit fruchtigen Noten.
- FAW rot (rotschalig): hohe Erträge bei relativ hohem Mostgewicht; trotz kompakter Trauben wenig Botrytis; sortentypisches, fruchtiges Profil.
Klonmischpflanzungen stärken die Resilienz der Rebsorte Räuschling
Für die Praxis wichtig: Mischpflanzungen mehrerer Klone erhöhen die Resilienz, weil sich Eigenschaften je nach Jahrgang ergänzen (z. B. Ertragsstärke vs. Platzanfälligkeit). Das stützt Qualität und Ertrag – besonders in Jahren mit Niederschlägen vor der Lese. Klon 3 und 25 sind verfügbar; Klon 28 und FAW rot befinden sich im Homologationsprozess. Die Klonensammlung bleibt strategisch, um Vielfalt zu erhalten und auf den Klimawandel adaptiv reagieren zu können.

Fazit und Empfehlung
- Klonwahl: Geeignete Klone erhöhen die Ertrags- und Qualitätsstabilität von Räuschling und verringern das Risiko von Beerenplatzen und Botrytis; besonders die Klone 28 und FAW rot zeigen positive Effekte.
- Anlagenstruktur: Mischpflanzungen aus den Klonen 3, 25, 28 und FAW rot können die Resilienz innerhalb einer Anlage zusätzlich steigern.
Literaturhinweis
Räuschling-Klonzüchtung: Erweiterung der genetischen Vielfalt um vier neue Klone.



