Wie wirtschaftlich ist die Schweizer Ziegenmilchproduktion?
Foto: Christian Gazzarin,
Agroscope
Ziegen sind beliebt, doch nur die wenigsten Ziegenhalter können damit Geld verdienen. Wirtschaftlich interessant wird es erst ab einer Jahresproduktion von 100 Tonnen Milch, was je nach Leistung etwa 120 bis 180 Milchziegen entspricht.
Schweizweit halten 90 % der Ziegenhalter Bestände von weniger als 25 Ziegen – die wenigsten halten diese Ziegen aus wirtschaftlichen Motiven. Bisher ist unbekannt, ob die Produktion von Ziegenmilch überhaupt wirtschaftlich ist. Ziel der Studie war es, den Betriebszweig wirtschaftlich zu analysieren und Erfolgsfaktoren zu identifizieren.
Von den 40 grössten Betrieben, die im Schweizerischen Ziegenzuchtverband (SZZV) organisiert sind und mindestens 50 gemolkene Ziegen halten, wurden deshalb 12 Betriebe selektiert – mehrheitlich aus der Hügelregion – mit jährlichen Produktionsmengen zwischen 35 und 240 Tonnen. Die mittlere Bestandsgrösse der Stichprobe beträgt 141 Milchziegen. Die Tal- und Hügelbetriebe in der Stichprobe waren diversifiziert und führten entsprechend noch andere Betriebszweige, während nur die drei Bergbetriebe wirklich spezialisiert waren. Die Betriebe wurden einer detaillierten Vollkostenanalyse unterzogen, nachdem sie ihre Buchhaltung zur Verfügung stellten und ergänzende Auskünfte im Rahmen eines Interviews gaben.
Erfolgreiche Betriebe sparen an Kraftfutter und Maschinen
Die grösseren Betriebe der Stichprobe wenden signifikant weniger Zeit pro Ziege auf als der Durchschnitt. Sie wirtschaften auch intensiver mit höheren Besatzdichten und höheren Einzeltierleistungen. Unter den wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben hat es neben einem grossen Betrieb allerdings auch mittlere bis kleine Betriebe mit mittleren Milchleistungen zwischen 500 und 600 kg pro Ziege und Jahr. Entsprechend gibt es auch keinen Zusammenhang zwischen Milchleistung und Arbeitseinkommen.
Ein erhöhter Einsatz von Ergänzungsfutter tendiert zu tieferem Einkommen. So haben drei von vier wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben nur moderate Kosten für Ergänzungsfutter. Ebenfalls mit einem höheren Einkommen wird belohnt, wer tiefe oder moderate Maschinenkosten aufweist.
Gestehungskosten fast doppelt so hoch wie der Milchpreis
Die Berechnung der Gestehungskosten zeigte, dass kein Betrieb seine Kosten decken konnte. Bei einem durchschnittlichen Milchpreis von CHF 1.28 lagen die Gestehungskosten bei CHF 2.40 pro kg Ziegenmilch, was einem Kostendeckungsgrad von nur 53 % entspricht. Hingegen standen die Gestehungskosten in starkem Zusammenhang mit der Produktionsmenge. Werden Betriebe unter 100 Tonnen Produktionsmenge ausgeschlossen, lag der mittlere Kostendeckungsgrad bei immerhin fast 80 %. Wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe erreichen hohe Hektareinkommen von CHF 3’000 bis 5’000. Zudem weisen Betriebe über 100 Tonnen Verkaufsmilch deutlich tiefere Gestehungskosten auf und eröffnen damit viel Potential für eine wirtschaftliche Ziegenmilchproduktion.
Wirtschaftlichkeit mit anderen Milchproduktionsformen vergleichbar
Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Ziegenmilchproduktion per se nicht weniger wirtschaftlich als die Kuhmilch- oder Schafmilchproduktion. Die untersuchten Ziegenmilchbetriebe wirtschafteten jedoch intensiver als vergleichbare Kuhmilch- und Schafmilchbetriebe. Dies führte je Grossvieheinheit zu höheren Kraftfutterkosten und tieferen Direktzahlungen, was mit etwas tieferen Maschinenkosten wieder kompensiert wurde.
Fazit
- In der Schweiz halten rund 90 % der Ziegenhalterinnen und Ziegenhalter weniger als 25 Tiere, wobei hier kaum wirtschaftlichen Motive massgebend sind
- Je grösser die Betriebe, desto intensiver, arbeitseffizienter und günstiger ist auch die Produktion eines Liters Ziegenmilch
- Wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe müssen aber nicht besonders gross sein – mit mittleren Einzeltierleistungen und gemässigtem Kraftfuttereinsatz lassen sich überdurchschnittlich gute Hektareinkommen erzielen
- Tiefe Maschinenkosten führen auch auf Ziegenbetrieben zu höheren Hektareinkommen
- Eine extensivere Produktion, d.h. geringere Besatzdichten bei grösserem Flächenumfang und gleichzeitiger Reduktion des Kraftfuttereinsatzes dürfte beim heutigen Direktzahlungssystem zu höheren Einkommen führen
Literaturhinweis
Wie wirtschaftlich ist die Schweizer Ziegenmilchproduktion?.



