Agroscope, Universität Bern

Der neue Förderbeitrag für regionale Biodiversität und Landschaftsqualität

Die bisherigen Vernetzungs- und Landschaftsqualitätsbeiträge werden zum neuen Beitrag für regionale Biodiversität und Landschaftsqualität zusammengeführt. Diese Studie bewertet die geplante Zusammenlegung aus Sicht der agrarpolitischen Literatur.

Die Vernetzungsbeiträge (VNB) und Landschaftsqualitätsbeiträge (LQB) waren bisher wichtige Programme zur Erhaltung und Förderung der regionalen Biodiversität und der Qualität und Vielfalt der Kulturlandschaft. Gemäss Parlamentsentscheid werden diese Programme 2028 zum neuen Beitrag für regionale Biodiversität und Landschaftsqualität (BrBL) zusammengeführt.

Ziele der Zusammenführung:

  • Ein geringerer administrativer Aufwand für Bewirtschaftende,
  • Ein einfacherer Vollzug für die Kantone,
  • Ein tieferer Verwaltungsaufwand für Kontrollbehörden und Bund sowie die Nutzung von Synergien bei der Förderung von Biodiversität und Qualität der Kulturlandschaft,
  • Die Zusammenlegung soll ausserdem zu einer Harmonisierung von Trägerschaften, Laufzeiten und Perimetern der Projekte führen.

Dieser Artikel analysiert die bisherigen Erfahrungen mit VNB und LQB, ihre Stärken und Schwächen sowie die daraus abzuleitenden Konsequenzen für die künftige Umsetzung des BrBL.

Landschaftsqualitätsbeiträge: Regional flexibel und wirksam

Die LQB haben zum Ziel, die Qualität und Vielfalt der Kulturlandschaft zu erhalten und zu fördern. Die LQB basieren auf einem regionalen Ansatz, d.h. Projekte werden durch regionale Trägerschaften umgesetzt, durch den Bund bewilligt und von Kanton und Bund kofinanziert. Die Kantone verfügen über erheblichen Spielraum bei der Ausgestaltung der Landschaftsqualitätsprojekte (LQP). Die Massnahmen der LQP sind divers und kantonal unterschiedlich: Im Kanton Glarus umfassen sie zum Beispiel Grenzstrukturen wie Hecken, Trockensteinmauern und Zäune, Infrastrukturen wie Ställe sowie weitere Strukturelemente wie Oberflächengewässer.   

Bei den LQB wurden deutliche Mitnahmeeffekte ausgemacht, d.h. einige der Massnahmen würden auch unentgeltlich weitergeführt und haben daher eher einen erhaltenden Effekt. Die Beitragshöhe der verschiedenen Massnahmen scheint aber angemessen, auch wenn die Erbringungskosten äusserst heterogen sind. Positive Effekte auf die Landschaftsqualität umfassen insbesondere die Erhaltung regionaler Kulturlandschaften und die Sensibilisierung teilnehmender Landwirtinnen und Landwirte für landschaftsspezifische Aspekte.

Vernetzungsbeiträge: Biodiversitätsgewinn trotz Umsetzungsdefiziten

Die VNB wurden im Jahr 2001 mit dem Ziel eingeführt, die Artenvielfalt in der Landwirtschaft zu stärken. Die bereits zuvor eingeführten Biodiversitätsförderflächen (BFF) sollten mithilfe von Vernetzungsprogrammen (VNP) an besserer Lage und mit zusätzlichen Auflagen angelegt werden, um die regionsspezifischen Ziel- und Leitarten noch besser zu fördern. Auch hier haben die Kantone einen grossen Spielraum bzgl. der Ausgestaltung der VNB und definieren das Umsetzungskonzept in kantonalen Richtlinien selbst. Zudem kann ein VNP durch Landwirtinnen und Landwirte, landwirtschaftliche Organisationen, Gemeinden oder Vereine angestossen werden.

VNP führen laut Studien zu einem höheren Niveau an Biodiversität und erfüllen damit ihr zentrales Ziel. Allerdings weisen Evaluationen auch auf Verbesserungspotenziale hin. Während die Quantität der Vernetzungsflächen generell als genügend eingestuft wird, mangelt es an der Qualität der Flächen bzw. der VNP sowie an der Wahl der geeigneten Lage. Die Regionalisierung wird ebenfalls sowohl geschätzt als auch kritisiert. Sie wird geschätzt aufgrund der Flexibilität bei der Wahl der Massnahmen, bei der regionale Eigenschaften berücksichtigt werden können. Allerdings führen gerade die Regionalisierung und der grosse Spielraum der Kantone dazu, dass viele Projekte lediglich die Mindestvorgaben des Bundes umsetzen. Ein tatsächlicher Mehrwert wird oft nur dann generiert, wenn es engagierte Personen im Projekt gibt, die viel Energie und Zeit investieren können.

Die Herausforderungen des BrBL im Überblick: mehr Effizienz, neue Zielkonflikte

Die Zusammenlegung eröffnet Chancen zur besseren Wirkung, zur administrativen Vereinfachung, zur Harmonisierung von Trägerschaften und Perimetern sowie zur Nutzung von Synergien zwischen Biodiversität und Landschaftsqualität. Gleichzeitig ergeben sich Spannungsfelder zwischen regionaler Gestaltungsfreiheit und klaren Vorgaben, zwischen einfacher Handhabung und wirksamer Anreizstruktur sowie zwischen ökologischen und ästhetischen Zielen. Damit der BrBL diese Herausforderungen meistern kann, helfen insbesondere ambitionierte Projektziele und klare Qualitätsvorgaben.

Fazit

  • Die Vernetzungsbeiträge und Landschaftsqualitätsbeiträge sind wichtige Instrumente zur Erhaltung und Förderung der regionalen Biodiversität und der Qualität und Vielfalt der Kulturlandschaft.
  • Diese Instrumente werden gemäss Parlamentsentscheid 2028 zum neuen Beitrag für regionale Biodiversität und Landschaftsqualität (BrBL) zusammengeführt. Daraus entstehen Chancen und Risiken.
  • Die Zusammenlegung eröffnet Chancen zur besseren Wirkung, zur administrativen Vereinfachung, zur Harmonisierung von Trägerschaften und Perimetern sowie zur Nutzung von Synergien zwischen Biodiversität und Landschaftsqualität.
  • Gleichzeitig bestehen Zielkonflikte zwischen Gestaltungsfreiheit und einfacher Handhabung auf der einen und klaren Vorgaben und wirksamen Anreizen auf der anderen Seite.
  • Ambitionierte Projektziele und klare Qualitätsvorgaben könnten diese Spannungen abfedern.
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