Wann ist Pensionspferdehaltung wirtschaftlich? Schweizer Betriebe unter der Lupe
Christelle Althaus
Schweizer Nationalgestüt
Agroscope
Die Pensionspferdehaltung ist im Aufwind. Eine effiziente Arbeitsorganisation, geeignete Haltungssysteme und Biodiversitätsmassnahmen tragen dazu bei, dass dieser Betriebszweig ökonomisch stark und ökologisch wertvoll zugleich sein kann.
Eine Pferdepension zu betreiben, gilt in der Schweizer Landwirtschaft längst nicht mehr als ein Nischenangebot. Dieser Betriebszweig bietet bereits vielen Landwirtinnen und Landwirten ein wichtiges Zusatzeinkommen. Mittlerweile hält rund jeder fünfte Landwirtschaftsbetrieb Pferde – ein deutlicher Hinweis auf die zunehmende Relevanz dieses Sektors. Mit einer Stichprobe von 18 Betrieben analysierte Agroscope den Betriebszweig im Rahmen einer detaillierten Vollkostenanalyse.
Rundum-Pakete werden angeboten
Ökonomisch unterscheidet sich die Pensionspferdehaltung grundlegend von klassischen Produktionsbereichen wie Milch- oder Fleischproduktion. Statt Nahrungsmittel zu produzieren und von Preisen abhängig zu sein, bieten Pensionspferdebetriebe umfassende Dienstleistungen an – von Fütterung und Misten bis hin zu Infrastrukturangeboten wie Reitplätzen, oder gar Reitunterricht. Modelle der Vollpension gewinnen besonders an Bedeutung, da sie für Pferdeeigentümer attraktive Rundum-Pakete darstellen.
Synergien nutzen ist entscheidend für den Erfolg
Die Wirtschaftlichkeit hängt von einer Vielzahl betrieblicher Faktoren ab. Besonders relevant sind die eingesetzte Arbeitszeit, die Organisation des Betriebs, die Kostendeckung durch die Pensionspreise sowie die Fähigkeit, Synergien zwischen Pferdehaltung und Biodiversitätsförderung zu nutzen. Pferdebetriebe können ökologisch wertvolle Lebensräume zur Verfügung stellen – und spezifische Direktzahlungen, wie die Biodiversitätsbeiträge, nachhaltig zum Einkommen beitragen. Die Spannbreite ist dabei gross: Während im Durchschnitt rund 3 % Zusatzerlös generiert werden, erzielen einzelne Betriebe bis zu 10 % ihres Erlöses über Biodiversitätsmassnahmen.
Gruppenhaltung als Erfolgsmodell
Die Studie zeigt zudem Effizienzvorteile von Gruppenhaltungssystemen im Vergleich zu Betrieben mit Einzelhaltung. Diese ermöglichen pro Pferd geringere Arbeitszeiten und niedrigere monatliche Pensionskosten. Zwar sind die Unterschiede statistisch nicht signifikant, doch die Tendenz ist klar: Betriebe mit guter Arbeitsorganisation und grösseren Beständen erzielen signifikant bessere wirtschaftliche Ergebnisse. In fast zwei Dritteln der Betriebe, unabhängig von der Haltungsform, konnten die Pensionskosten vollständig gedeckt werden. Die wirtschaftlich erfolgreichen Betriebe haben eines gemeinsam: Sie verbinden effiziente Arbeitsabläufe und moderate Infrastrukturkosten mit marktgerechten Preisen. Deshalb ist die Pensionspferdehaltung ein ernstzunehmender Betriebszweig mit attraktiven Perspektiven – sowohl ökonomisch als auch ökologisch.
Fazit
- Effiziente Arbeitsorganisation ist der wichtigste Erfolgsfaktor – sie beeinflusst Kosten, Wirtschaftlichkeit und Preisgestaltung am stärksten.
- Gruppenhaltungen zeigen tendenziell Vorteile bei Arbeitszeit und Kosten pro Pferd im Vergleich zu Betrieben mit Einzelhaltung.
- Im Durchschnitt generierten die untersuchten Betriebe 3 % ihres Erlöses durch Biodiversitäts-Direktzahlungen, bei einzelnen Betrieben sind es bis zu 10 %.
Literaturhinweis
Die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Pensionspferdehaltung.



