Wie die Alpwirtschaft und einzelne Alpen die Loyalität des Personals fördern können
Foto: Lena Rief,
Alpangestellte
Den Schweizer Sömmerungsbetrieben fehlt qualifiziertes und langjähriges Personal, unter anderem weil Angestellte immer weniger Alpsommer absolvieren. Der Personalmangel und Erfahrungsverlust können sich negativ auf die nachhaltige Bewirtschaftung der Alpen auswirken.
Den Schweizer Sömmerungsbetrieben fehlt qualifiziertes und langjähriges Personal, unter anderem weil Angestellte immer weniger Alpsommer absolvieren. Der Personalmangel und Erfahrungsverlust können sich negativ auf die nachhaltige Bewirtschaftung der Alpen auswirken.
Bedeutung des Personals für eine nachhaltige Bewirtschaftung
Etwa 17’000 Älplerinnen und Älpler tragen jeden Sommer mit ihrer Arbeit zur Aufrechterhaltung der Multifunktionalität von über 6’500 Alpbetrieben in der Schweiz bei. Allerdings bekunden die Alpverantwortlichen zunehmend Mühe bei der Suche nach qualifiziertem und langjährigem Personal. Häufige Personalwechsel belasten die nachhaltige Bewirtschaftung der Sömmerungsbetriebe aufgrund von Wissensverlust und Ineffizienzen. Um qualifiziertes Personal langfristig halten zu können, ist es wichtig zu verstehen, welche alpinternen und alpexternen Faktoren eine wiederkehrende Beschäftigung auf einem Sömmerungsbetrieb fördern oder hemmen. Eine Umfrage (n=366) bei und Interviews (n=23) mit Alpangestellten haben zwei zentrale Problemkomplexe aufgezeigt.
Alpexterne Faktoren als grösste Hürde
Bei der Mehrheit des Alppersonals verhindern alpexterne Faktoren eine langfristige Rückkehr in die Alpwirtschaft. Die saisonale Lebens- und Arbeitsform scheint nur schwer mit modernen Lebensentwürfen vereinbar zu sein. Die Saisonalität der Alpwirtschaft bleibt somit eine sozio-ökonomische Herausforderung für das Personal, welches Beruf, Familie und andere Verpflichtungen mit der Alp vereinen muss. Zudem gilt die langfristige Wahl der Lebensform «Alp» in einigen Milieus als eine Art «Aussteigertum», was eine wiederkehrende Rückkehr auf die Alp ebenfalls hemmen kann.
Alpinterne Faktoren mit Verbesserungspotential
Gleichzeitig bestehen drei relevante alpinterne Ursachen für eine Nicht-Rückkehr: Die Anstellungsbedingungen, die Arbeitsorganisation und das Personalmanagement. Für die Alpangestellten ist eine transparente Kommunikation, eine wertschätzende Zusammenarbeit und Vertrauen zentral für eine langfristig funktionierende Zusammenarbeit. Investitionen in eine angemessene Wohn- und Arbeitsinfrastruktur sind zwar nach wie vor wichtig. Allerdings braucht es insbesondere verbesserte Anstellungsbedingungen, konkret höhere und sich mit zunehmender Erfahrung progressiv entwickelnde Löhne. Schliesslich ist ein verstärktes Engagement der Alpverantwortlichen in Aspekten der Personalführung nötig, um die Alpangestellten langfristig gewinnen und halten zu können.
Empfehlungen für die Alpwirtschaftsbranche und die Sömmerungsbetriebe
Basierend auf den genannten Ergebnissen wurden an einem Workshop mit Fachpersonen aus der Alpwirtschaft (n=24) zahlreiche Handlungsempfehlungen erarbeitet. Nachfolgend sind die zentralsten Empfehlungen zusammengestellt:
Die Alpwirtschaftsbranche sollte…
- den Alpverantwortlichen Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Personalführung anbieten.
- dem Personal eine national koordinierte und anerkannte Ausbildung ermöglichen.
- die Stellensuche des Personals im Herbst durch entsprechende Angebote (Stellenplattformen, Stellenvermittlung etc.) unterstützen.
- festangestellte Personen mit einem Argumentarium dabei unterstützen, vom Arbeitgebenden wiederkehrend für den Alpsommer freigestellt zu werden.
- die gesellschaftliche Anerkennung der Alparbeit als komplexer und vielfältiger Beruf fördern, indem sie neben spezifischem Fachwissen auch die Entwicklung umfassender Sozial- und Selbstkompetenzen des Alppersonals betont.
- Vorlagen von Arbeitszeugnissen und andere Dokumente für die Alpverantwortlichen erarbeiten, welche diese beim Personalmanagement auf den Alpen unterstützt.
- einen Beitrag zur Verbesserung und Vereinheitlichung der Anstellungsbedingungen des Alppersonals leisten, insbesondere des Alp-Lohns.
Die Sömmerungsbetriebe sollten…
- einer professionellen Personalführung mehr Gewicht beimessen und sich bzw. ihre Alpverantwortlichen diesbezüglich stärker schulen.
- die Weiterentwicklung der Wohninfrastruktur und der Ökonomiegebäude nicht vernachlässigen.
- offen, transparent und lösungsorientiert mit dem Alppersonal kommunizieren. Wertschätzung und Kritik sollen beidseitig in angemessener Form geäussert und angenommen werden, damit Vertrauen in einer angenehmen Arbeitsatmosphäre entstehen kann.
- gezielter auf die individuelle Situation und die Bedürfnisse des Alppersonals eingehen, d.h. auf die Fähigkeiten und die Erfahrung des Personals, und entsprechend Unterstützung bieten oder Verantwortung übertragen.
- eine saubere Alp-Dokumentation mit den wichtigsten Informationen zusammenstellen, damit sich neues Personal vorbereiten kann und der Einstieg besser gelingt.
- das Personal nach Möglichkeit bei der Stellensuche unterstützen und wo nötig eine gewisse Flexibilität in Bezug auf die Alparbeit bieten.
Fazit
Insgesamt kann man festhalten: Sowohl die Alpwirtschaft als Ganzes als auch einzelne Alpbetriebe können konkret zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Alppersonal beitragen. Nur durch eine laufende Weiterentwicklung dieser Rahmenbedingungen im Dialog mit den Bedürfnissen des Alppersonals und gesamtgesellschaftlichen Veränderungen bleibt die Alpwirtschaft langfristig ein attraktives Berufsfeld – und das Personal den Alpen treu.
Literaturhinweis
Die Alp als Lebens- und Arbeitsform – Herausforderungen für das Alppersonal.



