Agroscope

Angestellte in der Landwirtschaft: aktuelle Arbeitssituation und mögliche Verbesserungen

Die Schweizer Landwirtschaft bleibt geprägt von der Mitarbeit der Familie, doch die ausserfamiliäre Beschäftigung nimmt zu und viele Betriebe finden kaum Personal. Agroscope untersuchte die Arbeitsbedingungen festangestellter Arbeitskräfte und Faktoren längerer Anstellungsdauern.

Entscheidungsträger in der Politik und im landwirtschaftlichen Sektor allgemein haben die Bedeutung des Themas «Soziale Nachhaltigkeit» erkannt. Trotzdem wurden bislang nur wenige Daten über die Arbeitsbedingungen von landwirtschaftlichen Angestellten erhoben und ausgewertet. Diese Studie hilft, diese Lücke zu schliessen. Sie bietet einen Einstieg in den Erkenntnisgewinn, indem sie messbare Aspekte der Arbeitsqualität wie zum Beispiel Löhne, Arbeitsstunden, Arbeitszeiten und Stabilität der Beschäftigung untersucht.

Vergleich zwischen Angestellten in der Landwirtschaft und in der Gastronomie

Eine deskriptive Analyse zeigt die Arbeitsbedingungen von Angestellten in der Landwirtschaft auf und vergleicht sie mit denen von Angestellten in der Gastronomie. Dafür wurden Daten aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) der Jahre 2015 bis 2020 verwendet. Diese Erhebung basiert auf einer repräsentativen Stichprobe der ständigen Wohnbevölkerung. Die Studie konzentriert sich darum auf dauerhaft in der Schweiz lebende Angestellte mit hauptsächlich unbefristeten Arbeitsverträgen. Verschiedene Indikatoren der Arbeitsqualität wurden analysiert und die Ergebnisse im Zusammenhang mit der Diskussion über das Thema «Soziale Nachhaltigkeit» betrachtet.

Lange Arbeitszeiten, geringe Löhne und strukturelle Herausforderungen im Agrarsektor

Die Ergebnisse zeigen, dass die Arbeitszeiten in der Landwirtschaft lang sind und viele Vollzeitangestellte ihre Arbeitszeit gerne reduzieren möchten. Ausserdem ist die Bezahlung in der Landwirtschaft deutlich geringer als in der Gastronomie und in den übrigen Sektoren. Es gibt auch Unterschiede in der Altersstruktur; viele landwirtschaftliche Angestellte arbeiten über das gesetzliche Rentenalter hinaus. Letztendlich beschäftigt der landwirtschaftliche Sektor überdurchschnittlich viele Personen mit niedrigem formalem Bildungsniveau. Die Ergebnisse zeigen ausserdem, dass ein höheres Einkommen und das Einhalten vereinbarter Arbeitszeiten mit längeren Beschäftigungsdauern in der Landwirtschaft verbunden sind.

Mögliche personalpolitische Massnahmen

Massnahmen sollten angemessene Stundenlöhne und klare Regeln für die Bezahlung von Wochenendarbeit, Arbeit auf Abruf und in der Hochsaison priorisieren. Planbare Arbeitszeiten, zum Beispiel klare Regeln für das Arbeiten auf Abruf, minimale Ruhezeiten und Unterstützung bei der Planung von saisonalen Tätigkeiten durch Beratungsstellen, könnten die Arbeitsqualität und die Beschäftigungsdauer in der Landwirtschaft verbessern. Um saisonale Arbeitsspitzen abzufedern, können bestehende Strukturen wie der Maschinenring genutzt werden, die es ermöglichen, kurzfristig Arbeitskräfte zu finden. Auch gemeinsame Anstellungsmodelle über mehrere Betriebe hinweg sind eine denkbare Lösung und könnten helfen, die Arbeitszeiten besser über das Jahr zu verteilen. Zusätzlich könnten modulare Weiterbildungsangebote, auch für Quereinsteiger, sowie die Anerkennung ausländischer Qualifikationen die Kompetenzentwicklung unterstützen.

Fazit

  • Die Stundenlöhne in der Landwirtschaft liegen deutlich unter denen der Gastromnomie; vergleichbare Monatseinkommen entstehen meist nur durch wesentlich längere Arbeitszeiten.
  • Zwischen verbesserten Arbeitsbedingungen (z. B. höhere Löhne) und den generell niedrigen betrieblichen Einkommen besteht ein zentraler Zielkonflikt.
  • Arbeitszeiten stellen eine Herausforderung dar, insbesondere wegen Wochenendarbeit, Arbeit auf Abruf und saisonaler Arbeitsspitzen.
  • Ein hoher Anteil älterer Arbeitskräfte sowie ein niedriges formales Bildungsniveau erhöhen den Handlungsbedarf im Personalbereich.
  • Zur Stärkung der Mitarbeiterbindung sind insbesondere höhere Einkommen und verlässliche Arbeitszeitmodelle wichtig.
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