Weniger Kupfer im Weinbau: Kombinationen von Massnahmen bringen den grössten Effekt
Foto: Philipp Bosshard, Bosshart+Grimm
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Kupfer ist im Schweizer Weinbau weit verbreitet – steht aber wegen Risiken unter Druck. Eine neue Studie der ETH Zürich zeigt, wie sich der Einsatz reduzieren lässt. Welche Massnahmen machen den Unterschied?
Kupferhaltige Fungizide sind ein zentrales Element im Pflanzenschutz des biologischen und konventionellen Weinbaus, insbesondere zur Bekämpfung von Falschem Mehltau. Gleichzeitig gilt Kupfer aufgrund seiner Persistenz im Boden und negativer Effekte auf Bodenorganismen als umweltkritisch. In der Schweiz und der EU steht der Einsatz daher zunehmend unter regulatorischem Druck, mit dem Ziel, Risiken zu reduzieren und langfristig Alternativen zu etablieren.
Sehr heterogene Ansätze zur Kupferreduktion
Eine Befragung der ETH Zürich von 489 Schweizer biologischen und konventionellen Weinbaubetrieben in allen Sprachregionen zeigt, dass 73 % der Betriebe kupferhaltige Fungizide einsetzen. Von diesen wenden bereits 57 % explizite Massnahmen zur Reduktion an. Die Umsetzung der Massnahmen ist jedoch sehr heterogen: Insgesamt wurden 94 unterschiedliche Strategien identifiziert, meist als Kombination mehrerer Massnahmen. Einzelmassnahmen spielen eine untergeordnete Rolle.
Am häufigsten werden kurzfristig umsetzbare Effizienz- und Präventionsmassnahmen genutzt, etwa angepasste Kupferdosierungen, optimierte Spritzzeitpunkte oder Laubarbeiten. Substitutionsansätze (z. B. Kupferalternativen wie Calciumcarbonat) sowie langfristige Systemveränderungen, zum Beispiel durch den Einsatz pilzwiderstandsfähiger Sorten werden deutlich seltener eingesetzt.
Grösste Reduktionspotenziale entstehen durch kombinierte Strategien
Die statistische Analyse zur auf den Betrieben eingesetzten Kupfermenge zeigt: Die grössten Reduktionspotenziale entstehen durch kombinierte Strategien. Besonders wirksam ist die Kombination von Prävention, Effizienz und grundlegenden Systemanpassungen (Redesign). Diese Kombination ermöglicht im Durchschnitt eine Reduktion von rund 0,65 kg/ha/Jahr gegenüber Betrieben ohne Reduktionsmassnahmen. Rein substitutionsbasierte Ansätze oder isolierte Massnahmen zeigen hingegen keine signifikanten Effekte.
Die Ergebnisse verdeutlichen zudem, dass viele Betriebe bereits unterhalb der gesetzlichen und von Labels vorgegebenen Grenzwerte arbeiten. Dennoch bleibt die Belastung problematisch, da Kupfer im Boden akkumuliert und langfristig wirkt. Eine nachhaltige Reduktion erfordert also mehr als eine Optimierung bestehender Praktiken, sondern strukturelle Veränderungen in Produktionssystemen, z.B. durch die Verwendung pilzwiderstandsfähiger Sorten.
Fazit und Empfehlungen
- Die Reduktion von Kupfer im Weinbau ist möglich, erfordert jedoch kombinierte Ansätze.
- Politik und Beratung sollten verstärkt Präventions- und Redesignmassnahmen fördern, etwa durch Unterstützung der Etablierung pilzwiderstandsfähiger Sorten, Wissensaustausch und gezielte Anreize für Massnahmenkombinationen.
- Einzelmassnahmen reichen nicht aus. Stattdessen sind kombinierte Strategien entscheidend, um Umweltziele zu erreichen, ohne die Produktion zu gefährden.
Literaturhinweis
Farmer adoption and effectiveness of copper-reducing strategies in Swiss viticulture.



