Wann sind batterieelektrische Traktoren wirtschaftlich tragfähig?
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Eine systematische Literaturübersicht zeigt, dass batterieelektrische Traktoren unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich tragfähig sein können – insbesondere bei hoher jährlicher Nutzung, leichten Arbeiten, der Einbindung erneuerbarer Energien und geeigneten politischen Rahmenbedingungen.
Batterieelektrische Traktoren (BETs) werden als Alternative mit deutlich reduzierten CO₂‑Emissionen zu herkömmlichen dieselbetriebenen Traktoren diskutiert. Ob sie in der Landwirtschaft tatsächlich eine tragfähige Option darstellen, hängt jedoch nicht nur vom technischen Fortschritt ab, sondern vor allem von ihrer Wirtschaftlichkeit und von der Bereitschaft der Landwirtinnen und Landwirte, sie einzusetzen. Um diese Fragen zu untersuchen, führten Forschende von Agroscope eine systematische Literaturübersicht durch.
BETs sind nur unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich tragfähig
Die Studie zeigt, dass BETs unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich tragfähig sein können, derzeit jedoch noch nicht in allen landwirtschaftlichen Systemen wirtschaftlich tragfähig sind.
Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit der BETs:
- Grösse und Leistung des Traktors,
- Intensität der Arbeiten,
- jährliche Nutzungsdauer,
- Strompreis,
- Lebensdauer der Batterie
- unterstützenden politische Rahmenbedingungen.
Besonders gute Voraussetzungen bestehen bei leichten Arbeiten wie Mähen, Spritzen oder leichtem Transport, insbesondere in kleinstrukturierten Betrieben, im Gartenbau, Weinbau, Biolandbau und in der Gewächshausproduktion. Eine hohe jährliche Nutzung ist dabei entscheidend. Mehrere Studien zeigen, dass BETs vor allem dann kostenmässig konkurrenzfähig werden, wenn sie intensiv genutzt werden, häufig bei mehr als 800 Betriebsstunden pro Jahr. Die Wirtschaftlichkeit verbessert sich zusätzlich, wenn Betriebe BETs mit hofeigenen Photovoltaikanlagen, günstigen Stromtarifen oder autonomen Technologien kombinieren können. Schwieriger bleibt die Elektrifizierung hingegen bei leistungsstarken Traktoren und schweren Arbeiten, da die heutige Batterietechnologie weiterhin mit hohen Anschaffungskosten, Ladeeinschränkungen und technischen Grenzen verbunden ist.
Landwirtinnen und Landwirte entscheiden in erster Linie nach wirtschaftlichen Kriterien
Die Studie zeigt zudem, dass Landwirtinnen und Landwirte BETs in erster Linie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten beurteilen. Das wichtigste Hindernis sind entsprechend die hohen Anschaffungskosten. Hinzu kommen Unsicherheiten in Bezug auf Batteriewechselkosten, Reichweite, Ladezeit, Infrastruktur und langfristige Leistungsfähigkeit. Zwar sprechen tiefere Energie- und Wartungskosten für BETs, doch gleichen diese Vorteile die hohen Investitionskosten unter den heutigen Bedingungen häufig nicht vollständig aus. Jüngere, umweltorientierte Landwirtinnen und Landwirte sowie Personen mit Vorerfahrung mit Elektrofahrzeugen stehen der Einführung tendenziell offener gegenüber. Doch auch in diesen Gruppen reicht die Umweltmotivation allein meist nicht aus, um den höheren Preis zu rechtfertigen. Insgesamt bleibt die wirtschaftliche Tragfähigkeit die zentrale Voraussetzung für eine breitere Verbreitung.
Ein Massnahmenmix ist nötig, um die Einführung zu beschleunigen
Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass sich BETs nur mit einer Kombination verschiedener Massnahmen in grösserem Umfang durchsetzen werden. Gezielte Kaufsubventionen, zinsgünstige Finanzierungsmöglichkeiten, Investitionshilfen für Ladeinfrastruktur, landwirtschaftliche Stromtarife und Anreize für erneuerbare Energien auf Betriebsebene können die Wirtschaftlichkeit verbessern. Gleichzeitig braucht es Demonstrationsprojekte, Beratungsangebote und besser aufbereitete Informationen, um Unsicherheiten abzubauen und das Vertrauen der Landwirtinnen und Landwirte in die Technologie zu stärken. Eine breitere Einführung von BETs erfordert somit einen doppelten Ansatz: finanzielle und technische Hürden zu senken und gleichzeitig Wissenstransfer, Schulungen und Demonstrationsmassnahmen zu stärken.
Fazit
- Batterieelektrische Traktoren sind derzeit nur unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich tragfähig, insbesondere bei leichten Arbeiten, hoher jährlicher Nutzung, unterstützenden politischen Rahmenbedingungen und in vielen Fällen beim Zugang zu betriebseigener erneuerbarer Energie.
- Die Entscheidungen der Landwirtinnen und Landwirte zur Einführung werden vor allem von wirtschaftlichen Überlegungen bestimmt. Hohe Anschaffungskosten sowie Unsicherheiten hinsichtlich Batteriekosten, Reichweite, Laden und langfristiger Zuverlässigkeit bleiben die wichtigsten Hindernisse.
- Eine breitere Einführung erfordert einen Policy-Mix, der finanzielle Anreize, Infrastruktur- und Unterstützung für erneuerbare Energien, weitere technologische Fortschritte sowie Wissenstransfer durch Beratung und Demonstrationsaktivitäten kombiniert.
Literaturhinweis
The economic feasibility and farmers’ adoption of battery electric tractors: a systematic literature review.



