Vertrauen in Ackerbau und Tierhaltung: Was es prägt und welche Politikmassnahmen unterstützen
Foto: Gabriela Brändle,
Agroscope
Ein Mangel an Vertrauen in die Landwirtschaft untergräbt die Stabilität des Ernährungssystems und erhöht den politischen Druck für zusätzliche Regulierungen. Agroscope hat in der Deutschschweiz das Vertrauen in Ackerbau- und Viehbetriebe untersucht und zeigt zentrale Faktoren für eine gezielte Agrarpolitik auf.
Die öffentliche Meinungsbildung zu landwirtschaftlichen Praktiken und agrarpolitischen Entscheidungen stützt sich wesentlich auf Vertrauen. Dieses Vertrauen ist zentral für die Akzeptanz innovativer Technologien und prägt die Beziehung zwischen Landwirtschaft und Konsumentinnen und Konsumenten. Viele Betriebe betrachten diese Vertrauensbeziehung als zentralen Bestandteil der sozialen Nachhaltigkeit.
Was die Schweizer Bevölkerung mit dem Begriff ‘Landwirtschaft’ verbindet
- Die Befragten verbinden Landwirtschaft am häufigsten mit „Landwirtschaft“, „Milchwirtschaft“ und „Lebensmittelqualität“. Diese Begriffe sind insgesamt mit positiven Gefühlen verbunden.
- Mit Schweizer Landwirtinnen und Landwirten werden „harte Arbeit“ und „Bewunderung“ verbunden, aber auch „Schwierigkeiten“, „Politik/Subventionen“ und einige negative Eigenschaften. Insgesamt sind die damit verbundenen Gefühle hier eher neutral und damit weniger positiv als bei der Landwirtschaft als System.
- Die Bevölkerung hat meist ein traditionelles und vereinfachtes Bild von Landwirtinnen und Landwirten. Neue Methoden oder Technologien werden selten spontan mit Landwirtinnen und Landwirten verbunden.
Ackerbau geniesst mehr Vertrauen als Tierhaltung
Insgesamt ist das Vertrauen in Ackerbauern deutlich höher als in Tierproduzenten. Der Vertrauensunterschied hängt besonders mit Bedenken zusammen, die in der Tierhaltung besonders ausgeprägt sind, wie etwa Transparenz in Bezug auf Produktionsmethoden und Tierwohl.
Faktoren, die Vertrauen in die Pflanzen- und Tierproduktion stärken
Sowohl bei Ackerbauern als auch bei Tierproduzenten wird das Vertrauen am stärksten durch das Bild und die Einstellung der Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber Landwirtinnen und Landwirten, deren wahrgenommenes Wissen über landwirtschaftliche Praktiken sowie deren politische Orientierung (d. h. eher rechts) bestimmt. Alle untersuchten Faktoren stehen in einem klar positiven Zusammenhang mit dem Vertrauen in die Landwirtschaft. Ein Unterschied zeigt sich jedoch zwischen den Produktionszweigen: Während ein höherer Fleischkonsum mit stärkerem Vertrauen in die Viehwirtschaft einhergeht, spielt dieser Faktor für den Ackerbau keine Rolle. Weder der Einkauf auf Bauernmärkten noch persönliche oder familiäre Erfahrungen in der Landwirtschaft tragen dagegen nachweislich zum Vertrauen bei.
Vertrauensbildung muss auf Systemebene stattfinden – nicht nur auf Ebene der einzelnen Landwirte
Die Ergebnisse der Umfrage deuten ausserdem darauf hin, dass Vertrauensbildung nicht allein durch individuelle Anstrengungen von Landwirtinnen und Landwirten – etwa durch direkte Interaktionen mit Konsumentinnen und Konsumenten – gewährleistet werden kann. Vielmehr kann Vertrauen durch ein transparentes Agrarsystem gestärkt werden, das es ermöglicht, Praktiken auch dann zu beurteilen, wenn der direkte Kontakt begrenzt ist (z. B. durch glaubwürdige Offenlegung, Zertifizierung und zugängliche Informationen). Insbesondere im Bereich der Tierhaltung kann eine Kommunikation, die die gemeinsamen Werte und ethischen Überlegungen der Landwirte sichtbar macht, dazu beitragen, sowohl rationale als auch emotionale Bedenken der Bevölkerung auszuräumen.
Fazit
- Die Schweizer Bevölkerung hat ein traditionelles und vereinfachtes Bild von Landwirtinnen und Landwirten. Dieses Bild ist weder sehr positiv noch sehr negativ und ist daher leicht durch situative Faktoren beeinflussbar.
- Ackerbauern geniessen mehr Vertrauen als Tierproduzenten, was vor allem auf Bedenken bezüglich Transparenz und Tierwohl in der Tierproduktion zurückzuführen ist.
- Gefühle gegenüber Landwirtinnen und Landwirten, wahrgenommenes Wissen und politische Orientierung sind die wichtigsten Faktoren für die Vertrauensbildung. Massnahmen zum Aufbau von Vertrauen sollten Informationen und Emotionen kombinieren.
- Vertrauen sollte nicht nur durch einzelne Landwirtinnen und Landwirte aufgebaut werden, sondern auch durch Politik, gute Governance und transparente Systeme unterstützt werden.
Literaturhinweis
Public trust in crop and livestock farmers in Switzerland.



