BFH-HAFL

Weiteres Potenzial zur Absenkung des Rohproteingehalts in der Schweinemast

Eine weitere Senkung des Rohproteingehalts im Schweinefutter ist anspruchsvoll, aber möglich. Die vorliegende Studie zeigt, dass die Stickstoffeffizienz verbessert und die Emissionen verringert werden können, ohne dass die Leistung oder die Fleischqualität darunter leiden.

Die Schweizer Landwirtschaft steht unter hohem Druck, die Ammoniakemissionen weiter zu reduzieren und gleichzeitig eine tierfreundliche und wirtschaftliche Produktion zu gewährleisten. In der Schweinemast spielt der Rohproteingehalt im Futter eine zentrale Rolle, weil er die Stickstoffausscheidungen massgeblich beeinflusst. Zur Unterstützung der Produzentinnen und Produzenten bei der Reduktion des RP-Gehalts hat der Bund das Programm „Ressourceneffizienzbeiträge (REB) – Stickstoffreduzierte Phasenfütterung bei Schweinen“ lanciert (Beitragsperiode 2023 – 2026).

Im Rahmen eines Fütterungsversuchs an der BFH HAFL wurde untersucht, ob eine weitere Absenkung der Rohproteingehalte (unter die REB-Zielwerte) möglich ist, ohne die Leistung, die Tiergesundheit oder die Schlachtkörperqualität zu beeinträchtigen. PREMO®-Kreuzungstiere wurden zwei Fütterungsvarianten zugeteilt. Eine Gruppe erhielt eine REB-konforme Kontrollration, die andere eine Ration, in der die Rohproteingehalte um weitere knapp 10 % reduziert wurden. Die Versorgung mit essenziellen Aminosäuren war in beiden Gruppen identisch.

Proteinreduktion ohne negative Effekte auf Leistung und Gesundheit

Die Ergebnisse zeigen, dass weder die täglichen Zunahmen noch die Futterverwertung oder der Anteil an Magerfleisch von der tieferen Proteinversorgung beeinflusst wurden. Die Tiere erreichten eine Tageszunahme von gut 1000 g und eine Futterverwertung von 2,29 kg/kg Zuwachs. Diese Werte sind im internationalen Vergleich sehr gut. Auch die Tiergesundheit blieb stabil und es traten keine fütterungsbedingten Probleme auf.

Deutliche Verbesserung der Stickstoffeffizienz

Besonders bedeutsam für Umwelt und Agrarpolitik sind die Auswirkungen auf die Stickstoffflüsse. Die proteinreduzierte Fütterung senkte den Stickstoffinput deutlich und erhöhte die Stickstoffeffizienz auf 54 %. Dieser Wert liegt nahe an publizierten theoretisch erreichbaren Maximalwerten für Mastschweine.

Praxiswerte liegen weit unter den offiziellen Schweizer GRUD-Referenzen – Anpassung erforderlich

Die berechnete Stickstoffausscheidung fiel auf 2,01 kg pro Tier und lag damit um 48 % unter dem in den aktuellen GRUD-Modellen berücksichtigten Wert von 3,9 kg pro Tier. Auch die Kontrollgruppe erreichte deutlich tiefere Werte als der GRUD-Referenzwert. Die grossen Abweichungen legen nahe, dass die Grundlagen, auf denen die GRUD‑Werte basieren, teilweise nicht mehr praxisüblich sind und einer Überarbeitung bedürfen.

Fazit

  • Eine Reduktion des Rohproteingehalts bei gezielter Aminosäuresupplementierung stellt eine wirksame und praxistaugliche Massnahme zur Verringerung von Stickstoffausscheidungen und Ammoniakemissionen dar.
  • In der Schweinemast besteht weiteres Potenzial, die Rohproteingehalte im Futter zu senken und damit die Emissionen zusätzlich zu reduzieren.
  • Versuche unter unterschiedlichen Haltungs- und Managementbedingungen sind erforderlich, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse in die Praxis breit abzusichern.
  • Langfristige Effekte auf Tiergesundheit, Tierverhalten und Nachhaltigkeit sind umfassend zu evaluieren.
  • Die Ergebnisse sprechen für eine Anpassung der GRUD-Referenzwerte an die aktuelle Fütterungspraxis.
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