Agroscope, HES-SO Changins

Resistente Rebsorten: vielversprechende Weine, die mehr Bekanntheit verdienen

Weine aus resistenten Rebsorten sind in der Schweiz auf dem Vormarsch. Konsumentinnen und Konsumenten stehen ihnen grundsätzlich offen gegenüber. Insbesondere in der Gastronomie liesse sich ihr Potenzial mit klarerer Kommunikation noch stärker nutzen.

Angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Forderung nach einem nachhaltigen Weinbau stellen Rebsorten mit natürlicher Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten eine vielversprechende Alternative dar. Ihre Verbreitung scheint jedoch bislang durch eine noch unzureichende Akzeptanz bei den Konsumentinnen und Konsumenten gebremst zu werden.

Agroscope hat eine Studie mit drei sich ergänzenden Zielen durchgeführt: Erstens die Bewertung der aktuellen Anbausituation resistenter Rebsorten in der Schweiz, zweitens die Zusammenfassung der neuesten Konsumstudien zu diesen Sorten und drittens die Analyse ihrer aktuellen Präsenz im Angebot der Schweizer Gastronomie.

Begrenzte Anbauflächen – mit steigender Tendenz

Die Anbaufläche resistenter Rebsorten beträgt 540 Hektaren und macht damit nur einen geringen Anteil der insgesamt 14 484 Hektaren aus. Sie wächst jedoch kontinuierlich, wobei ihr Anteil in der Deutschschweiz deutlich höher ist als in den übrigen Regionen. Bei den roten Sorten ist Divico in der Schweiz die wichtigste resistente Rebsorte, gefolgt von Cabernet Jura. Im Bereich der weissen Sorten weist Souvignier gris den höchsten Anteil auf, gefolgt von Johanniter.

Offenheit seitens der Konsumentinnen und Konsumenten

Eine aktuelle Konsumstudie zur Akzeptanz resistenter Rebsorten identifiziert drei zentrale Einflussfaktoren: die sensorische Qualität der Weine, das allgemeine Weinwissen sowie die Kenntnis resistenter Rebsorten.

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Konsumentinnen und Konsumenten diesen Sorten grundsätzlich offen gegenüberstehen und bereit sind, sie in ihre Konsumgewohnheiten zu integrieren.

Unterstützungsbedarf bei den Gastronomen

Eine Untersuchung von 450 Speisekarten zeigt, dass die Weine in der Gastronomie bereits präsent sind; dabei spiegelt das Angebot im Wesentlichen die aktuelle Produktionsverteilung wider.

Die Studie befragte die Gastronomen zu den Gründen, die sie dazu bewegen, die Weine in ihr Angebot aufzunehmen bzw. sie nicht zu integrieren. Die Antworten zeigten eine Vielzahl von Gründen. Mehrere Gastronomen sprachen sich für die Aufnahme dieser Weine aus, da sie ihr Angebot durch nachhaltige Weine diversifizieren möchten. Die Aufnahme neuer Produkte hängt offenbar auch stark vom Angebot der bestehenden Winzer und Lieferanten ab. Diese Abhängigkeit zeigt die Bedeutung einer guten Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Gastronomen, um die Einführung zu erleichtern. Mehrere Fachleute betonten, dass die Einführung der Weine von der tatsächlichen Nachfrage der Verbraucher und den Markttrends abhängt. Einige äusserten auch Vorbehalte hinsichtlich der geschmacklichen Qualität dieser Weine. Schliesslich geben einige Gastronomen an, dass ihnen das Wissen über diese Rebsorten fehlt und sie Unterstützung benötigen, um sie besser zu verstehen und in ihr Sortiment zu integrieren.

Die Befragung der Gastronomen zu ihren Beweggründen liefert ein differenziertes Bild: Viele Betriebe setzen auf diese Weine, um ihr Sortiment durch nachhaltige Optionen zu diversifizieren. Auffällig ist dabei die starke Abhängigkeit von bestehenden Lieferanten und Winzern. Dies unterstreicht, wie entscheidend eine enge Kommunikation zwischen Produktion und Gastronomie für eine erfolgreiche Markteinführung ist. Während die tatsächliche Marktnachfrage und aktuelle Trends als Haupttreiber genannt werden, bestehen vereinzelt noch Vorbehalte bezüglich der sensorischen Qualität. Zudem wurde ein deutlicher Wissensbedarf deutlich: Viele Gastronomen benötigen gezielte Unterstützung und Informationen zu den Rebsorten, um diese sicher in ihr Angebot integrieren zu können.

Fazit

  • Der Anbau resistenter Rebsorten ist im Schweizer Weinbau nach wie vor begrenzt, wobei die Deutschschweiz einen gewissen Vorsprung hat.
  • Ein Teil der Konsumentinnen und Konsumenten steht den Weinen relativ offen gegenüber, sowohl was ihre sensorische Akzeptanz als auch ihre Präsenz auf den Speisekarten der Restaurants betrifft.
  • Die Weine sind im Angebot bereits vertreten, aber ihre Verbreitung könnte durch besseres Wissen der für die Weinauswahl verantwortlichen Akteure sowie durch einen besseren Kontakt zwischen Winzern, Lieferanten und Gastronomen verstärkt werden.
  • Generell scheint eine Verbesserung der Kommunikation und der Ausbildung im Zusammenhang mit diesen Rebsorten ein sinnvoller Ansatz zu sein, um ihre Integration in das Schweizer Weinangebot zu unterstützen.
  • Die sensorische Qualität bleibt das zentrale Kriterium, während Umweltargumente bei den Kaufentscheidungen der Verbraucher offenbar erst an zweiter Stelle stehen.
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