Agroscope

Alternativer Pflanzenschutz im Acker- und Gemüsebau: Wo stehen wir?

Eine aktuelle Publikation von Agroscope gibt einen Überblick über präventive Massnahmen und nicht-chemische Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge im Acker- und Freilandgemüsebau.

Der integrierte Pflanzenschutz ist ein Konzept, welches verschiedene Methoden kombiniert, um Schadorganismen unter der wirtschaftlichen Schadschwelle zu halten. Die breite Basis bilden dabei präventive Massnahmen; Entscheidungshilfen bieten Unterstützung bei der Bestimmung des richtigen Zeitpunkts für allfällige Bekämpfungsmassnahmen (Abb. 1). Falls eine Bekämpfung erforderlich ist, sollen wenn immer möglich biologische, biotechnische und physikalische (d. h. nicht-chemische) Massnahmen priorisiert werden. Erst danach sollen chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Diese Publikation gibt einen Überblick über die präventiven Massnahmen und die nicht-chemischen Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge im Acker- und Freilandgemüsebau sowie deren Praxistauglichkeit nach heutigem Wissensstand.

Abb. 1: Die Pyramide des integrierten Pflanzenschutzes.

Krankheiten

Die wichtigsten präventiven Massnahmen sind gesundes Saatgut, robuste Sorten, ausgewogene Fruchtfolgen und eine gute Feldhygiene. Mit diesen Massnahmen kann der Einsatz von Fungiziden in vielen Ackerkulturen mit leichter Ertragsreduktion weitgehend vermieden werden. In Kartoffeln, Zuckerrüben und Freilandgemüse können präventive Massnahmen, insbesondere robuste Sorten, den Fungizideinsatz reduzieren. Ein vollständiger Verzicht ist heute aber oft nicht praktikabel.

Schädlinge

In vielen Ackerkulturen wie Getreide und Mais werden Schädlinge mit präventiven Massnahmen wie Fruchtfolge und Schonung von Nützlingen meistens ausreichend kontrolliert. Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben und Freilandgemüse werden jedoch von Schädlingen mit einem hohen Schadpotenzial befallen. Einige Ansätze, wie die Fruchtfolge bei Zuckerrüben oder der Einsatz von Bacillus thuringiensis gegen Kartoffelkäfer, haben sich als wirksam erwiesen, Untersaaten im Raps zeigen ein Potenzial. Zu weiteren Massnahmen wird noch geforscht.

Qualitätsanforderungen und Lebensmittelpreise

Im Gemüsebau ist die Herausforderung wegen der hohen Qualitätsanforderungen des Marktes grösser als im Ackerbau. Mit Blick auf einen reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könnte es sinnvoll sein, die privatrechtlich geregelten Qualitätsanforderungen bezüglich rein optischer und lebensmittelrechtlich unbedenklicher Aspekte zu hinterfragen, eventuell zu reduzieren und einen gewissen Schädlingsbesatz zu tolerieren. Zudem könnten die mit alternativen Pflanzenschutzmassnahmen verbundenen Zusatzaufwendungen und höheren Ertragsrisiken durch höhere Lebensmittelpreise oder andere Massnahmen ausgeglichen werden, damit sie wirtschaftlich rentabel sind.

Fazit

  • Alternative Massnahmen gegen Unkräuter sind vorhanden, jedoch zeitaufwändiger und bei Problemunkräutern und ungünstigen Wetterbedingungen weniger wirksam.
  • In Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben ist ein vollständiger Verzicht auf Fungizide und/oder Insektizide heute schwierig. Ansätze für zusätzliche Massnahmen sind vorhanden. Diese sind jedoch oft mit einem reduzierten Wirkungsgrad und zusätzlichen Kosten verbunden.
  • Die hohen Qualitätsanforderungen für Freilandgemüse sind mit alternativen Massnahmen schwierig zu gewährleisten. Es könnte sinnvoll sein, die rein optischen Qualitätsanforderungen zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.
  • Alternative Pflanzenschutzmassnahmen sind oft aufwändiger und weniger wirkungsvoll. Damit sie wirtschaftlich rentabel sind, könnten die Zusatzkosten durch höhere Lebensmittelpreise oder andere Massnahmen ausgeglichen werden.
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