Agroscope, BLW

Standortangepasste Landwirtschaft: Wo Ackerbau nachhaltig möglich ist

Ist die Schweizer Landwirtschaft standortangepasst? Agroscope und das Bundesamt für Landwirtschaft haben drei Szenarien evaluiert: Im nachhaltigsten existieren ähnlich viele Ackerflächen wie heute, jedoch liegen diese teilweise an anderen Orten.

In der Schweiz soll die Nahrungsproduktion – gemäss Bundesverfassung – standortangepasst und ressourceneffizient erfolgen. «Standortangepasst» bedeutet, dass das agronomische und ökonomische Potenzial eines Standorts optimal genutztund dabei die ökologische Tragfähigkeit eingehalten wird.Die landwirtschaftliche Nutzfläche in der Schweiz wird zu 58 % als Naturwiese, zu 38 % als Ackerland und zu 4 % mit Dauerkulturen bewirtschaftet (Stand 2024). Doch ist die heutige Nutzung standortangepasst?

Potenziale für einen standortangepassteren Ackerbau

Hierzu haben Forschende von Agroscope in Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) auf Basis national verfügbarer Daten analysiert, welche Landwirtschaftsflächen als Ackerland für die direkte menschliche Ernährung geeignet wären. Räumlich explizite Modellierungen, die für jeden Standort die Kriterien Boden, Klima und Topografie berücksichtigten, wurden durchgeführt. Bisherige Biodiversitätsförderflächen, Dauerkulturen und Sömmerungsflächen wurden nicht betrachtet.

Das Vorgehen kurz erklärt

Für die Analyse wurden drei Szenarien evaluiert. Das Ackerbaupotenzial wurde anhand geografischer Kriterien (Hangneigung, Boden- und Klimaeignung) sowie zweier ökologischer Kriterien (Vermeidung von Bodenerosion, Minimierung von Treibhausgasemissionen aus entwässerten organischen Böden) ermittelt. Dabei wurde die landwirtschaftliche Nutzfläche mit der Hangneigung, der Bodeneignungskarte und der Klimaeignung überlagert. In Szenario 1 wurde davon ausgegangen, dass eine Fläche ackerfähig ist, wenn sie eine Neigung von maximal 35 % aufweist und die Klima- sowie Bodeneigenschaften den Anbau von Weizen ermöglichen. In Szenario 2 wurden davon Flächen mit hohem Erosionsrisiko ausgeschlossen. In Szenario 3 wurden zusätzlich Flächen mit organischen Böden als nicht nachhaltig ackerfähig ausgeschlossen.

Was die Analyse zeigt

Während Szenario  1 ein sehr grosses Ackerpotenzial aufweist (mehr als heute), ähnelt Szenario 2 mit seiner Ackerfläche stark der aktuellen Nutzung. Die beiden Szenarien unterscheiden sich insbesondere dadurch, dass etwa 40 Prozent des Ackerlandes aus Szenario 1 aufgrund des Erosionsrisikos in Szenario 2 besser als Grasland genutzt werden sollte. In Szenario 3 wurden zudem die organischen Böden als nicht nachhaltig ackerfähig ausgeschlossen und als Grasland genutzt. Der räumliche Unterschied zwischen den Szenarien 2 und 3 ist gering.

Genügend Ackerfläche – aber teilweise am falschen Ort

Die Ergebnisse zeigen: In Szenario 3 stünden ähnlich viele Ackerflächen wie heute zur Verfügung (ebenfalls 38 % Ackerland, 58 % Grasland). Allerdings zeigen die Analysen regional räumliche Veränderungen der Landnutzung im Vergleich zu heute. Einige Grasland-Flächen sollten besser als Ackerland, einige Ackerflächen besser als Grasland bewirtschaftet werden, um das agronomische Potenzial voll auszuschöpfen und gleichzeitig den Erhalt der Biodiversität und den Schutz des Klimas zu gewährleisten.

Die vorliegenden Arbeiten untersuchten das agronomische Potenzial für die Eignung eines Standorts als Ackerland. Eine standortangepasste Landwirtschaft berücksichtigt jedoch auch ökologische, ökonomische und soziale Aspekte z.B. durch eine standortangepasste Fruchtfolge. Agroscope und das BLW werden diese Dimensionen in den kommenden Jahren verstärkt in ihre weiteren Arbeiten zur standortangepassteren Produktion einbeziehen.

Fazit

  • Eine standortangepasste Landwirtschaft nutzt das agronomische und ökonomische Potenzial eines Standorts unter Einhaltung der ökologischen Tragfähigkeit optimal aus.
  • Mitarbeitende von Agroscope und BLW untersuchten, welche Landwirtschaftsflächen sich als Ackerland zum Anbau von Kulturen zur direkten menschlichen Ernährung eignen und ob das agronomische Potenzial der jeweiligen Flächen akutell für den Ackerbau ausgeschöpft wird.
  • Dazu wurden räumlich explizite Modellierungen von drei Szenarien unter Einbezug geografischer (Boden, Klima, Topografie) und verschiedener ökologischer Kriterien (Erosionsgefährdung, organische Böden) durchgeführt.
  • Die Ergebnisse zeigen: Im nachhaltigsten Szenario 3 stehen ähnlich viele Ackerflächen wie heute zur Verfügung, jedoch liegen diese teilweise an anderen Orten.
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