Bausteine für eine stabilere Schweizer Bio-Linsen-Produktion
Foto: Juerg Hiltbrunner,
Agroscope
Obwohl das Potential für den Bio-Linsen-Anbau in der Schweiz vorhanden ist, stagniert er auf tiefem Niveau. Ergebnisse von Agroscope zeigen, wie sich die Erntemengen stabilisieren lassen und ob es sensorische Unterschiede zwischen den Sorten gibt.
Forschende von Agroscope untersuchten, wie sich Linsen unter Schweizer Bio-Bedingungen erfolgreicher anbauen lassen als bisher. Im Zentrum standen verschiedene Linsensorten, Saattermine, Saatdichten und Anbausysteme. Zudem wurde geprüft, ob sich geschmackliche Unterschiede zwischen den Sorten zeigen. Ziel war es, Grundlagen für eine stabilere Inlandproduktion zu schaffen und mögliche Präferenzen von Konsumenten zu erfassen.
Herbstsaat erhöht Ertragspotenzial
In Feldversuchen wurden über fünf Jahre insgesamt zwölf Linsen-Genotypen getestet. Die Erträge unterschieden sich stark zwischen den Jahren und lagen je nach Witterung zwischen nahezu Totalausfall und 2 Tonnen pro Hektar und Jahr. Bei den meisten Sorten konnte mit der Herbstsaat der Ertrag im Vergleich zur Saat im Frühjahr erhöht werden. Da die im Herbst gesäten Linsen rund 14 Tage früher blühen als die im Frühjahr gesäten, kann dies ein wichtiger Faktor sein, die Ertragsbildung vor möglichen Hitzeperioden vorzuverlegen und die Erträge abzusichern. Insbesondere im Bio-Landbau spielt auch der Unkrautdruck auf den Parzellen eine wichtige Rolle für eine erfolgreiche Umsetzung.
Mischkulturen mit Hafer stabilisieren Bestände
Die Agroscope-Studie verglich den Linsen-Reinanbau mit Mischkulturen von Linsen mit Kurzstroh-Hafer. Trotz geringerer Linsensaatmenge sanken die Kornerträge der Linsen in den Mischkulturen nicht. Gleichzeitig reduzierten die Getreidepflanzen das Lagern (Umfallen) der Linsen und führten deshalb bei der Ernte dazu, dass mehr Hülsen mit dem Mähdrescher geerntet werden konnten und sich durch die grössere Distanz der Samen zum Boden eine bessere Samenqualität erzielen liess. Ebenso haben die Erfahrungen gezeigt, dass Begleitarten mit dem Hafer wirksam unterdrückt wurden.
Dichte Bestände verbessern Wirtschaftlichkeit
Aus der Untersuchung der Bestandesdichte auf den Ertrag und die Wirtschaftlichkeit in der Reinsaat liess sich ableiten, dass die optimale Bestandesdichte zwischen 180 und 240 Pflanzen pro Quadratmeter liegt. Höhere Saatmengen verursachten zwar höhere Saatgutkosten, diese wurden jedoch durch Mehrerträge ausgeglichen.
Verarbeitete Linsen
Geschmacklich waren die Unterschiede der zwölf untersuchten Linsensorten kleiner als erwartet. Die Sorten unterschieden sich zwar – etwa bei Mehligkeit oder Saftigkeit –, insgesamt waren die Unterschiede bezüglich ihrer agronomischen Eigenschaften – Ertrag, Korngrösse und Proteingehalt – jedoch bedeutender.
Um Erträge im Linsenanbau abzusichern, ist eine optimale Bestandesdichte und ein an den Standort angepasster Saattermin entscheidend. Die Wahl eines geeigneten Mischungspartners hat keinen negativen Einfluss auf den Linsenertrag. Die Samenqualität sowie die Erntbarkeit können verbessert werden. Die Sortenwahl sollte deshalb neben der Standortanpassung auch auf Marktanforderungen ausgerichtet werden. Wird die Herbstsaat in Betracht gezogen, so scheinen nebst speziell für den Herbstanbau gezüchtete Winterlinsen, kleinsamige und teilweise auch Typen aus der Genbank, vielversprechend zu sein.
Fazit
- Mischkultur mit Kurzstroh-Hafer verringert das Lagern (Umfallen), ohne Ertragseinbussen zu verursachen.
- Bestandesdichten von 180 bis 240 Pflanzen pro Quadratmeter erwiesen sich als wirtschaftlich sinnvoll.
- Im Herbst gesäte Linsen zeigten unter Schweizer Bedingungen ein höheres Ertragspotenzial als im Frühjahr gesäte.
- Um die Ertragssicherheit von herbstgesäten Linsen zu erhöhen, müsste Saatgut von Winterlinsen produziert werden.
- Nebst kleinsamigen Sorten waren auch alte Sorten wie die Kleine Schwarze, Späth’s Kleine oder die Berglinse bezüglich Erntemenge über die Jahre ausgeglichener.
- Aufgrund der kleinen Unterschiede im Geschmack sollten die Sorten eher aufgrund von Grösse, Farbe und der Eignung für das Anbausystem (Trennbarkeit der Samen falls Anbau in Mischkultur erfolgt) ausgewählt werden.
Literaturhinweis
Organic Lentil Production in Switzerland: Evaluation of Genotypes for Agronomical, Qualitative, and Sensory Traits.



