Beratung der Zukunft in der Landwirtschaft: Wertschöpfungsketten neu denken
Foto: Sanzio Rombini,
AGRIDEA
Eine starke landwirtschaftliche Beratung schafft neue Wertschöpfungsketten und optimiert bestehende. Ein interkantonales, organisationsübergreifendes Projekt zeigt, wie praxisnahe, strategische Zusammenarbeit die Schweizer Landwirtschaft zukunftsfähig machen kann.
Komplexe Rahmenbedingungen erfordern neue Kompetenzen
Die Schweizer Landwirtschaft sieht sich zunehmend komplexen Herausforderungen gegenüber. Der Klimawandel, der Verlust an Biodiversität, veränderte gesellschaftliche Erwartungen sowie die bestehenden Marktstrukturen erfordern die Entwicklung innovativer Ansätze entlang der gesamten Wertschöpfungsketten. Landwirtschaftliche Betriebe stehen vor der Aufgabe, neue Kulturen, Produkte und Vermarktungsstrategien zu erschliessen. Gleichzeitig wird die landwirtschaftliche Beratung mit Anfragen zu wenig etablierten Kulturen konfrontiert und muss Unterstützung beim Aufbau bislang unzureichend entwickelter Wertschöpfungsketten leisten.
Ein gemeinsamer Wissensstand als Ziel
Das von AGRIDEA und Partnerinstitutionen initiierte Projekt verfolgt das Ziel, die Kompetenzen der landwirtschaftlichen Beratung in Wertschöpfungsketten‑Fragen zu stärken. Durch vier thematisch strukturierte Workshops und mit Unterstützung von Fachorganisationen wie der ZHAW, dem FIBL und AGRIDEA wurden Beraterinnen und Berater verschiedener Kantone auf einen gemeinsamen Wissensstand gebracht. Die Workshops kombinierten Theorieinputs, Gruppenarbeiten und Besuche in Unternehmen, wodurch Wissen aus Forschung, Praxis und Beratung systematisch vernetzt wurde.
Zentrale Bausteine einer Wertschöpfungsketten‑Analyse
Die Teilnehmenden erarbeiteten methodische Grundlagen der Wertschöpfungsketten‑Analyse, darunter die Kartografie von Akteuren, Prozessen und Waren‑, Information‑ und Finanzströmen. Ergänzend wurden geografische Einflussbereiche, Nachhaltigkeitsdimensionen und Innovationspotenziale berücksichtigt. Der systematische Vergleich von Dokumenten, Interviews, Berechnungen und Praxisbeobachtungen sind zentral für zielführende Analysen.
Praxisbeispiele als Lernmotor
Die Besuche in Projekten wie „Bern ist Bio “ oder der „Offensive Spezialkulturen Luzern“ zeigten eindrücklich, wie Beratung Innovationen und neue Geschäftsmodelle in den Wertschöpfungsketten anstossen kann. Die Beispiele verdeutlichten die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung, Hochschulen und öffentlichen Stellen. Gleichzeitig zeigte sich, dass systematische Daten und einheitliche Methodiken in vielen Kantonen fehlen und dass die Verbindung zu Gastronomie und Konsum entscheidend, aber oft unzureichend ist.
Beratung als strategischer Hebel
Die Projektergebnisse zeigen, dass verschiedene Kantone und Institutionen bereits über wertvolle Erfahrungen, Projekte und Methoden im Bereich der Wertschöpfungsketten verfügen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ein umfassender Überblick sowie systematisch erhobene Daten zu den Wertschöpfungsketten fehlen und die Kompetenzen in vielen kantonalen Beratungsdiensten noch ausgebaut werden müssen.
In zahlreichen Regionen besteht besonders Bedarf an zusätzlichem Wissen zu neuen Kulturen, Marktmechanismen und an einer stärkeren interkantonalen Zusammenarbeit. Zudem fehlt eine schweizweite Vision zur Rolle der landwirtschaftlichen Beratung in der Entwicklung zukünftiger Wertschöpfungsketten. Ohne langfristige Programme, klare Strukturen und ausreichende Ressourcen kann das Potenzial der Beratung nur teilweise ausgeschöpft werden.
Fazit
- Die landwirtschaftliche Beratung ist ein zentraler Hebel für den Aufbau innovativer und nachhaltiger Wertschöpfungsketten, braucht dafür aber bessere Ressourcen und klarere strategische Rahmenbedingungen.
- Ein gemeinsamer Wissensstand, systematisch erhobene Daten und einheitliche Methoden stärken die Analyse und Weiterentwicklung von Wertschöpfungsketten wesentlich.
- Erfolgreiche Beispiele wie „Bern ist Bio“ und die „Offensive Spezialkulturen Luzern“ zeigen, dass Beratung Innovation und Kooperation entlang der Kette wirksam anstossen kann.
- Interkantonale Zusammenarbeit, Einbindung von Gastronomie und Verarbeitung sowie praxisnahe Pilotprojekte sind entscheidend für die Weiterentwicklung regionaler Wertschöpfungsketten.
Literaturhinweis
Beratung der Zukunft in der Landwirtschaft: Wertschöpfungsketten neu denken.



