Klimawandel verändert den europäischen Weinbau
Foto: Pierre-Henri Dubuis,
Agroscope
Wo wird in Europa zukünftig Wein angebaut? Eine Studie basierend auf sogenannten Klimaanalogen zeigt, dass die Klimaerwärmung die Weinbaugebiete grundlegend verändern wird, wobei Krankheiten eine entscheidende Rolle spielen.
Der Klimawandel verändert bereits heute die Anbaubedingungen für den Weinbau in Europa. Künftig könnten einige traditionelle Anbaugebiete an Bedeutung verlieren, während andere an Potenzial gewinnen. Die Studie untersucht diese Entwicklungen, indem sie das zukünftige Klima europäischer Weinbaugebiete mit bereits existierenden ähnlichen Klimazonen – sogenannten Klimaanalogen – vergleicht.
Der Ansatz basiert auf bioklimatischen Indizes, die in direktem Zusammenhang mit der Rebe und ihren Krankheiten stehen. Drei Indizes beschreiben die Wachstumsbedingungen und drei weitere die Pflanzengesundheitsrisiken: Falschen Mehltau, Echten Mehltau und die goldene Vergilbung. Darüber hinaus berücksichtigt die Studie die lokale Topografie, die für das Verständnis der Mikroklimata in den Rebbergen von entscheidender Bedeutung ist.
Klimabedingte Verschiebungen und neue Krankheitsrisiken
Die Ergebnisse zeigen gegensätzliche Entwicklungen. Der Temperaturanstieg verlagert die für den Weinbau geeigneten Gebiete insgesamt nach Norden und in höhere Lagen. Mehrere Regionen in Südeuropa könnten zukünftig für den Weinbau zu heiss werden. Gleichzeitig führen feuchtigkeitsbedingte Krankheiten je nach lokalen Bedingungen zu Verschiebungen nach Osten oder Westen. Insgesamt liegen die Klimaanaloge der europäischen Weinbaugebiete bis zum Jahr 2080 mehrheitlich weiter südlich.
Grenzen des Ausbaus und Herausforderungen der Anpassung
Der Studie zufolge dürften die phytosanitären Risiken in vielen Regionen zunehmen. Falscher und Echter Mehltau werden voraussichtlich in Mittel- und Nordeuropa häufiger auftreten, während sich die Goldgelbe Vergilbung auf neue Gebiete ausbreiten könnte. Selbst wenn kühlere nördliche Regionen klimatisch geeigneter werden, könnte ein steigender Krankheitsdruck ihr Potenzial erheblich einschränken.
Berggebiete bieten zwar ausgewogenere Bedingungen, ihre Bewirtschaftung bleibt jedoch anspruchsvoll und kostspielig. Vor diesem Hintergrund wird die Anpassung vor allem über die Wahl geeigneter Rebsorten, angepasste Anbaumethoden und in einigen Fällen über eine Verlagerung der Anbaugebiete erfolgen.
Die Ergebnisse der Studie wurden in die App «Klimaanaloge – Weinberge» integriert, mit der sich die künftigen klimatischen Bedingungen der Rebparzellen in Europa bis zum Jahr 2090 visualisieren lassen (siehe «Weitere Informationen»).
Fazit
- Der Klimawandel wird die Verteilung der Weinbaugebiete in Europa tiefgreifend verändern.
- Steigende Temperaturen verlagern die Weinbaugebiete nach Norden und in höhere Lagen. Gleichzeitig wird deren Ausdehnung durch feuchtigkeitsbedingte Krankheiten – insbesondere in Nordeuropa – deutlich eingeschränkt.
- Mehrere Regionen im Süden könnten langfristig für den Weinbau ungeeignet werden. Berggebiete bieten Alternativen, sind jedoch mit wirtschaftlichen und technischen Einschränkungen verbunden.
- Die Anpassung erfordert Änderungen bei den Rebsorten, den Anbaumethoden und teils auch bei den Standorten.
Literaturhinweis
Future viability of European vineyards using bioclimatic climate analogues.



