Wie sich die Saatgutbeizung beim Mais auf Mykorrhizapilze und Erträge auswirkt
Foto: Selim Walliser,
Agroscope und
Universität Zürich
Fungizid-Beizen schützen Saatgut und sichern Erträge, können aber nützliche Bodenpilze beeinträchtigen. Neue Erkenntnisse aus verschiedenen Versuchssystemen – von kontrollierten Laborversuchen bis hin zu realen Bedingungen im Feld – zeigen, wie stark diese Effekte variieren können.
Fungizide zum Saatgutbeizen sind in der Landwirtschaft weit verbreitet, um junge Pflanzen vor Krankheiten zu schützen und stabile Erträge zu sichern. Fungizide können jedoch nicht nur schädliche Pilze, sondern auch Nichtzielorganismen, wie beispielsweise nützliche Bodenorganismen, beeinträchtigen. Dazu zählen arbuskuläre Mykorrhizapilze: Diese können die Nährstoffaufnahme und die Bodenstruktur verbessern. Politisch und administrativ ist die Balance zwischen Sicherung stabiler Erträge und Förderung ökologischer Funktionen ein zentrales Thema, etwa im Kontext nachhaltiger Landwirtschaft und Bodengesundheit. Bisherige Bewertungen von Beizmitteln konzentrieren sich oft auf kurzfristige Effekte oder Einzelaspekte. Weniger berücksichtigt wird, wie sich Wirkungen entlang verschiedener Ebenen – von der Spore bis zur Feldleistung der Mykorrhizapilze – unterscheiden können. Neue Forschung liefert hierzu differenzierte Einblicke und zeigt, dass die Einflüsse nicht einheitlich sind.
Unterschiedliche Auswirkungen je nach Versuchssystem
Die Studie zeigt, dass Fungizid-Beizen im Maisanbau je nach Massstab unterschiedlich auf Mykorrhizapilze wirken. Auf der Ebene einzelner Pilzsporen kann die Keimung deutlich gehemmt sein. Diese Effekte lassen sich jedoch nicht direkt auf das Pflanzenwachstum oder die Maiserträge im Feld übertragen. Damit relativiert sich die Aussagekraft isolierter Labortests für die Praxis.
Abschwächung der Auswirkungen im Feld
Im Feldversuch fallen die negativen Einflüsse von Beizmittel auf Mykorrhizapilze weniger stark aus als unter kontrollierten Laborbedingungen. Umweltfaktoren wie Bodenbeschaffenheit, Mikroorganismen und Wetterbedingungen beeinflussen die tatsächliche Wirkung. In vielen Fällen bleibt die Mykorrhiza-Besiedlung der Pflanzen trotz Beizung erhalten, wenn auch teilweise reduziert.
Begrenzter Einfluss auf die Pflanzenleistung
Die Anwendung von Beizmitteln beeinflusst die Mykorrhiza-Besiedlung der Maiswurzeln und die daraus resultierende Pflanzenleistung in der Regel nur geringfügig. Während einzelne Effekte auf die Symbiose zwischen Pflanze und Pilz sichtbar sind, führen diese nicht zwingend zu messbaren Einbussen in der landwirtschaftlichen Produktion. Dies deutet darauf hin, dass Pflanzen und Bodenorganismen eine gewisse Anpassungsfähigkeit gegenüber Beizmitteln besitzen.
Fazit
- Ergebnisse aus Laborstudien mit fungiziden Saatgutbeizen sollten nicht direkt auf Feldbedingungen übertragen werden. Je nach Versuchssystem, von kontrollierten Laborversuchen bis hin zu realen Bedingungen im Feld, variieren die Effekte dieser Applikation auf Mykorrhizapilze stark.
- Weiter beeinflussen Praxisbedingungen wie Standortfaktoren und Bewirtschaftung die tatsächlichen Auswirkungen auf die arbuskulären Mykorrhizapilze wesentlich.
- Gezielte Fungizidanwendungen mit geringen Mengen, wie die Saatgutbeizung, belasten das Bodenmikrobiom bei den hier getesteten Fungiziden kaum.
Literaturhinweis
Scale-dependent effects of fungicide seed coating on arbuscular mycorrhizal fungi: from spore germination to field performance.



